Umweltbundesamt betrachtet
Beduftung kritisch

„Duftstoffe finden häufig Verwendung im privaten, aber auch im öffentlichen Bereich“, berichtete Dr. Wolfgang Straff vom Umweltbundesamt. Es liege im Trend, Innenräume gezielt zu beduften, um die Stimmungslage oder die Aufmerksamkeit zu beeinflussen. Eine wichtige Anwendung sei auch die Überdeckung anderer unerwünschter Gerüche.

Das Umweltbundesamt steht der Anwendung von Duftstoffen zu diesen Zwecken kritisch gegenüber. Duftstoffe sollten grundsätzlich nicht eingesetzt werden, um über eine mangelhafte Qualität der Innenraumluft hinwegzutäuschen. Als leichtflüchtige organische Verbindungen belasten sie die Raumluft zusätzlich statt sie „aufzuwerten“, wie häufig von Herstellern und Anwendern angegeben wird.

Für empfindliche Menschen, wie solche mit Allergien oder anderen Überempfindlichkeiten, können sie zudem ein Problem darstellen. Außerdem gibt es viele Menschen, die der Beduftung nicht ausgesetzt sein wollen oder gesundheitliche Bedenken haben.

Treten Duftstoffe nur in der Innenraumluft auf (also ohne direkten Kontakt), so scheinen sie, auch wenn es sich um allergene Substanzen handelt, nur in seltenen Fällen und in sehr hohen Konzentrationen ein Problem für Kontaktallergiker darzustellen. Bekannt ist allerdings eine Reizwirkung von leichtflüchtigen organischen Verbindungen, wenn bestimmte Konzentrationen überschritten werden. Duftstoffe stellen einen zusätzlichen Anteil an derartigen Verbindungen dar, die in vielen Räumen (insbesondere solchen, bei denen ein regelmäßiger und ausreichender Luftaustausch nicht gewährleistet ist) unerwünscht hohe Konzentrationen erreichen.

Zudem gibt es zurzeit keine Erkenntnisse darüber, ob manche Duftstoffe nicht mit anderen Komponenten der Luft reagieren und es dabei möglicherweise zur Bildung gesundheitsbedenklicher Substanzen kommt. „Auch die Frage der kumulativen Wirkungen kann nicht außer Acht gelassen werden“, so Dr. Straff, denn Duftstoffe treten nur sehr selten als Einzelstoff auf und finden in einer sehr großen Zahl verschiedener Produkte Verwendung. Sie sind zudem meist lipophil, und chemisch recht stabil. Die Wirkung von Substanzgemischen ist kaum untersucht und weitgehend unbekannt.

Angesichts des verbreiteten Einsatzes dieser Substanzen sind die Kenntnisse über mögliche Folgen für die Gesundheit und die Umwelt gering. Obgleich bestimmte Substanzen (bestimmte Moschusverbindungen) sich als persistent und akkumulierend herausgestellt haben und zudem einige Duftstoffe zu den Substanzen gehören, die beim Menschen sehr häufig Kontaktallergien auslösen oder eine Rolle bei anderen Unverträglichkeiten spielen, gibt es bisher nur wenig Stellungnahmen oder Regelungen des Gesetzgebers, die der besonderen Situation bei diesen Substanzen gerecht werden.

Aus Gründen der Vorsorge, auch vor einer chronischen Schädigung, sollte aus Sicht des Umweltbundesamtes auf eine Verwendung von Duftstoffen in Innenräumen verzichtet werden, insbesondere in Fällen, bei denen lediglich der Kaufanreiz erhöht werden oder über eine mangelhafte Qualität der Raumluft hinweggetäuscht werden soll.

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