So mehren sich Berichte über Patienten, die über
Überempfindlichkeiten gegenüber eingeatmeten Duftstoffen klagen,
das heißt über Duftstoffe die in der Umgebungsluft aufgrund
der weit verbreiteten Verwendung parfümierter Produkte wie in Kosmetika,
Rasierwässern, Haarsprays, Waschpulvern, Deodorants, Reinigungsmitteln
und Raumbeduftern vorhanden sind. Die von den Betroffenen genannten Symptome
sind überwiegend neuropsychologischer Natur und beinhalten Müdigkeit,
Kopfschmerzen, Schwindel, Gedächtnisstörungen und Wortfindungsstörungen,
aber auch Reizerscheinungen im Bereich der Schleimhäute und der Atemwege
werden beschrieben (Millqvist et al. 1999, Baldwin et al. 1999, Elberling
et al. 2005). Von einer derartigen olfaktorischen Hypersensitivität
gegenüber Duftstoffen sind rund elf Prozent der Bevölkerung
betroffen (Meggs et al. 1996). Sind Vorerkrankungen vorhanden wie z.B.
Allergien, Asthma, bronchiale Hyperreaktivität, chronische Erschöpfung
oder chronische Schmerzen so steigt das Risiko für Duftstoff-Intoleranzen
deutlich an (Bell et al. 1996, Baldwin et al. 1999, Buchwald und Garrity,
1994, Elberling et al. 2004). Bei einem kleinen Teil der so betroffenen Personen wird eine
Multiple Chemical Sensitivity (MCS) diagnostiziert, ein häufig schweres
Krankheitsbild, das mit starken Überempfindlichkeiten gegenüber
vielen flüchtigen organischen Substanzen (Lösemitteln, Benzindämpfen,
Ausgasungen von Möbeln und Teppichen) und auch Duftstoff-Überempfindlichkeiten
einhergeht. Der Entwicklung dieses Krankheitsbildes ist häufig eine
kurzzeitige hohe oder eine langjährige weniger hohe Belastung mit
neurotoxischen Schadstoffen wie Pestiziden oder Lösemitteln vorausgegangen,
die schon vor Entwicklung der beschriebenen Hypersensitivität zu
deutlichen neuropsychologischen und neurologischen Symptomen geführt
hat (Maschewsky 1996, Ashford und Miller 1998, Bauer et al. 2004, Schwarz
et al. 2006a). Die Hypersensitivität entwickelt sich meist erst Jahre
nach Beginn der ersten Symptome, jedoch bleibt sie auch nach Beendigung
der ursächlichen Schadstoff-Exposition oft bestehen (Schwarz et al.
2006b). Die Auswirkungen einer Duftstoff-Hypersensitivität
oder MCS können durchaus dramatisch sein. Neben den gesundheitlichen
Folgen sind die Teilhabe am Arbeitsleben und am gesellschaftlichen Leben
aufgrund der ubiquitären „Beduftung“ der modernen Umwelt
bei vielen Betroffenen ganz erheblich eingeschränkt (Johansson et
al. 2002, Schwarz und Bauer 2007). Die aktuellen Schätzungen gehen davon aus, dass es in
Deutschland rund 400.000 MCS-Betroffene gibt. Die MCS-Patienten bedürfen
besondere Rücksichtnahme und Expositionsminderung der flüchtigen
Chemikalien und Duftstoffe. In ihrem Vortrag hat Frau Dr. Bauer eine Barrierefreiheit
für Personen mit Duftstoff-Intoleranz gefordert, damit sie nicht
vom Alltag ausgeschlossen werden. Ihre Forderung richtete sich auf einen
konsequenten Verzicht auf Duftstoffe in öffentlichen Gebäuden,
in Gesundheitseinrichtungen und in öffentlichen Verkehrsmitteln.
„Allergien gegenüber Bestandteilen von Parfüms oder Duftstoffen
sind häufig“, berichtete Dr. Anja Bauer, Fachkrankenhaus Nordfriesland,
Bredstedt. Bei Patienten von Dermatologen gehören Duftstoffe zu den fünf
häufigsten Kontakt-Allergenen. Neben den Kontaktallergien werden jedoch auch
andere nachteilige Effekte von Duftstoffen beschrieben.