„Aus unserer Beratungspraxis wissen wir, dass viele
Menschen die Beduftung als Belästigung empfinden“, so Chemikerin
Ingrid Voigtmann vom Deutschen Allergie- und Asthmabund e.V. Viele Menschen
mit Asthma oder Allergien sowie empfindliche Personen reagieren mit gesundheitlichen
Beschwerden auf Beduftung. Möglichen Unverträglichkeitsreaktionen auf
luftgetragene Duftstoffe wird bislang nur wenig Beachtung geschenkt. Doch
ein steigender Einsatz von Raumbeduftung, ob als Wohlfühlfaktor,
als Marketing- oder Motivationsinstrument, kann zu steigenden gesundheitlichen
Problemen führen – nicht nur für Allergiker und Asthmatiker.
Um mehr Transparenz in die Beduftungspraxis der öffentlich zugänglichen
Räumen zu schaffen und um über die Problemseiten der ubiquitären
Beduftung hinzuweisen hat der Deutsche Allergie und Asthmabund sich des
Themas angenommen und Experten zu einem Dialog nach Berlin eingeladen. In ihrem Grußwort verwies die Bundesvorsitzende des
DAAB e.V., Marliese Köster, auf die Bedeutung einer guten Qualität
der Innenraumluft. Verbrauchte Raumluft, Zigarettenrauch oder sogar Chemikaliengeruch
werden als unangenehm bis hin zu störend empfunden. Schadstoffe in
der Innenraumluft stellten ein wichtiges gesundheitliches Problem dar. Der Einfluss der Innenraumbeduftung auf die Qualität
der Innenraumluft und die Gesundheit der Menschen sei bisher nur wenig
untersucht und kaum geregelt. Aus dem gesundheitlichen Vorsorgeprinzip
sei dies eine bedenkliche oder gar risikoreiche Situation, wenn man bedenkt,
wie breit beispielsweise die Produktpalette für den Privateinsatz
ist und wie wenig über Langzeitwirkung von niedrigdosierten Duftstoffen
in der Raumluft bekannt sei, so Köster. Parfüms und Duftstoffe gehören heute zu Alltagsprodukten.
Viele Verbraucher wünschen sich, von angenehmen Düften umhüllt
zu werden. Oft zum Leidwesen von Duftstoffallergikern und Menschen, die
auf Düfte mit Beschwerden reagieren. Zahlreiche Fragen sind in diesem Zusammenhang ungeklärt.
Werden Maßnahmen oder gesetzliche Regularien benötigt, die
den Einsatz der Raumbeduftung in öffentlich zugänglichen Räumen
regeln? Wie steht es um die Kenntnis der Anwender über die Risiken
der Raumbeduftung? Wo und in welchem Maße wird bereits Raumbeduftung
angewendet? Die Expertentagung bot ein Forum für die eingeladenen
Experten, ihre Sichtweise und Erfahrungen mit der Raumbeduftung darzulegen
und über Wege zu einem unsichtigen Einsatz von Duftstoffen in Innenräumen
zu diskutieren.
In den europäischen Industrieländern verbringen die Menschen durchschnittlich
rund 90 Prozent ihrer Zeit in Innenräumen. Dem Bedürfnis nach angenehmer
Atmosphäre kommt somit der Einsatz von Duftstoffen in Innenräumen entgegen.
Es überrascht also nicht, dass Raumbeduftung sowohl in privaten als auch
in öffentlich zugänglichen Räumen wie Kinos, Hotels, Kaufhäusern
oder Verwaltungseinrichtungen zunimmt. Diesen Trend bestätigen die Umsatzzahlen
für das Jahr 2007: der Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel
(IKW) spricht in seinem aktuellen Marktbericht von zweistelligen Zuwachsraten
der Raumdüfte.