Problematische Beduftung
von Innenräumen

In den europäischen Industrieländern verbringen die Menschen durchschnittlich rund 90 Prozent ihrer Zeit in Innenräumen. Dem Bedürfnis nach angenehmer Atmosphäre kommt somit der Einsatz von Duftstoffen in Innenräumen entgegen. Es überrascht also nicht, dass Raumbeduftung sowohl in privaten als auch in öffentlich zugänglichen Räumen wie Kinos, Hotels, Kaufhäusern oder Verwaltungseinrichtungen zunimmt. Diesen Trend bestätigen die Umsatzzahlen für das Jahr 2007: der Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel (IKW) spricht in seinem aktuellen Marktbericht von zweistelligen Zuwachsraten der Raumdüfte.

„Aus unserer Beratungspraxis wissen wir, dass viele Menschen die Beduftung als Belästigung empfinden“, so Chemikerin Ingrid Voigtmann vom Deutschen Allergie- und Asthmabund e.V. Viele Menschen mit Asthma oder Allergien sowie empfindliche Personen reagieren mit gesundheitlichen Beschwerden auf Beduftung.

Möglichen Unverträglichkeitsreaktionen auf luftgetragene Duftstoffe wird bislang nur wenig Beachtung geschenkt. Doch ein steigender Einsatz von Raumbeduftung, ob als Wohlfühlfaktor, als Marketing- oder Motivationsinstrument, kann zu steigenden gesundheitlichen Problemen führen – nicht nur für Allergiker und Asthmatiker. Um mehr Transparenz in die Beduftungspraxis der öffentlich zugänglichen Räumen zu schaffen und um über die Problemseiten der ubiquitären Beduftung hinzuweisen hat der Deutsche Allergie und Asthmabund sich des Themas angenommen und Experten zu einem Dialog nach Berlin eingeladen.

In ihrem Grußwort verwies die Bundesvorsitzende des DAAB e.V., Marliese Köster, auf die Bedeutung einer guten Qualität der Innenraumluft. Verbrauchte Raumluft, Zigarettenrauch oder sogar Chemikaliengeruch werden als unangenehm bis hin zu störend empfunden. Schadstoffe in der Innenraumluft stellten ein wichtiges gesundheitliches Problem dar.

Der Einfluss der Innenraumbeduftung auf die Qualität der Innenraumluft und die Gesundheit der Menschen sei bisher nur wenig untersucht und kaum geregelt. Aus dem gesundheitlichen Vorsorgeprinzip sei dies eine bedenkliche oder gar risikoreiche Situation, wenn man bedenkt, wie breit beispielsweise die Produktpalette für den Privateinsatz ist und wie wenig über Langzeitwirkung von niedrigdosierten Duftstoffen in der Raumluft bekannt sei, so Köster.

Parfüms und Duftstoffe gehören heute zu Alltagsprodukten. Viele Verbraucher wünschen sich, von angenehmen Düften umhüllt zu werden. Oft zum Leidwesen von Duftstoffallergikern und Menschen, die auf Düfte mit Beschwerden reagieren.

Zahlreiche Fragen sind in diesem Zusammenhang ungeklärt. Werden Maßnahmen oder gesetzliche Regularien benötigt, die den Einsatz der Raumbeduftung in öffentlich zugänglichen Räumen regeln? Wie steht es um die Kenntnis der Anwender über die Risiken der Raumbeduftung? Wo und in welchem Maße wird bereits Raumbeduftung angewendet?

Die Expertentagung bot ein Forum für die eingeladenen Experten, ihre Sichtweise und Erfahrungen mit der Raumbeduftung darzulegen und über Wege zu einem unsichtigen Einsatz von Duftstoffen in Innenräumen zu diskutieren.

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