Deutscher Allergie- und Asthmabund e.V.

Alarm im Darm : Endlich Ruhe im Bauch

Die Aufklärungskampagne „Alarm im Darm“ des Deutschen Allergie- und Asthmabundes (DAAB) war ein voller Erfolg. 22 Vorträge in ganz Deutschland schafften Klarheit zum Thema Nahrungsmittelunverträglichkeiten und darmgesunder Ernährung. Weit über tausend  Interessenten besuchten die Vorträge der DAAB-Ernährungsfachkräfte. Die wichtigsten Fragen haben wir der Ernährungsexpertin Christiane Schäfer (Foto) gestellt.

„Darmgesundheit“ oder „gestresster Darm“ sind nur einige Begriffe, die aktuell immer häufiger in den Medien auftauchen. Die Googlesuche zeigt 177.000 Einträge alleine zum Stichwort „Darmgesundheit“ an. Bestseller wie „Darm mit Charme“ oder „Schluck“ führten das Thema aus der Tabuecke in die Medien.

Das Geschäft mit dem Darm blüht, doch die Betroffenen bleiben dabei auf der Strecke. Denn es gibt sie nicht, die einheitliche Ernährungsform oder das generelle Heilmittel für die Darmpatienten. Betrachtet man die Verkaufszahlen entsprechender „darmgesunder“ Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel, könnte man meinen, der Darm ist das Geschäftsmodell des Jahrzehnts. Bestseller, die den Darm zum Thema machen oder Weizen und Gluten als Tatverdächtige abstempeln. Laktosefreie- oder glutenfreie Produkte, Protiotika für darmgesunde Ernährung oder die FODMAP-Diät.

Wie präsent das Thema Darmbeschwerden ist, zeigen auch die Anfragen beim Deutschen Allergie- und Asthmabund, die sich in den letzten zwei Jahren verzehnfacht haben. Daher traf das Thema „Bauchgesunde Ernährung“ bei den Besuchern genau in Schwarze. Die Veranstaltungen wurden freundlich unterstützt von der Techniker Krankenkasse.

Wir haben Ihnen einige Fragen und Antworten von unserer Expertin Christiane Schäfer (Foto) zusammengestellt.

 

Was kann ich beim Essen beachten, damit es meinem Bauch „gut“ geht?

Der erste Schritt der Verdauung ist das mechanische Zerkleinern der Nahrung im Mund. Durch das Kauen der Nahrung kann der Geschmack besser wahrgenommen werden. Dies und der Kauprozess als solcher regt die Speichelbildung an und initiiert die Magensaftsekretion. Beides sind wichtige Faktoren für eine gute Verdauung. Aber nicht nur das Kauen, auch die Art und Weise wie wir Essen trägt dazu bei, dass der Darm geschmeidig funktioniert. Schnell mal zwischendurch oder nebenbei beim Fernsehengucken, wirkt sich eher negativ auf die Verdauung aus. Eine gewisse Esshygiene ist gefragt. Mit der Esshygiene ist die bewusste Aufnahme von Speisen und Getränken, das Genießen, das Zelebrieren von Mahlzeiten gemeint. In unserer schnelllebigen Zeit wäre mit einem bewussteren Essverhalten während der Mahlzeiten schon viel gewonnen.

  • Dazu können folgende Tipps hilfreich sein:
  • Das Essen vom Trinken trennen.
  • Nehmen Sie sich Zeit beim Essen.
  • Eine gute Hauptmahlzeit sollte 20 Minuten dauern.
  • Kauen und schmecken Sie bewusst. Sorgen Sie für eine angenehme Atmosphäre.
  • Lenken Sie sich nicht ab durch Fernsehen oder Diskussionen am Tisch.
  • Nehmen Sie Sättigungsgefühle rechtzeitig wahr.

 

Ich esse etwas und bekomme sofort Durchfall. Kann das in Zusammenhang stehen?

„Viele Patienten setzen heute auf eine Selbstdiagnose. Sie haben unzählige Besuche bei den verschiedensten Therapeuten und Dr. Google hinter sich. Meist sind pathologische Auswirkungen, also ärztliche Diagnosen, nicht erfolgt oder sie wurden Ihnen nicht hinreichend erklärt oder es war – Gott-sei-Dank – nichts zu finden.

Gleichwohl hat der Bauchpatient aber Beschwerden, die er stets mit dem Essen zusammenbringt. Und so ist der Weg zu einer verdächtigen Wahrnehmung „Ich-esse-etwas-und-das-muss-Schuld-sein“ nicht weit. Aber unser Lebensstil, vor allem unser Nahrungsmittelangebot und die physiologischen Verdauungsprozesse sind heute so weit von einander entfernt, dass dies in vielen Fällen einfach nicht mehr zusammen passt. Nicht, weil da etwas Krankmachendes übersehen wurde, nicht, weil der Bauchpatient als empfindlich oder gar anstrengend wahrgenommen und deshalb weniger ordentlich untersucht wurde, sondern einfach weil ganz normale Verdauungsprozesse durch die Art und Weise wie wir heute Lebensmittel herstellen und sie uns einverleiben, nicht mehr zusammen passen, sie im wahren Sinne des Wortes nicht verdaut werden können.“

 

Wie beeinflusst die Mahlzeitenstruktur die Verdauung?

„Am besten erklärt sich dies mit Trockenpflaumen: Trockenpflaumen enthalten eine Zuckerkombination, die für alle Menschen schwer aufzunehmen ist. Und so kommt es nach Genuss von 5-7 Trockenpflaumen zu der bekannten stuhlweichmachenden- und bei einigen Menschen auch bereits zur stuhlabführenden Wirkung. Dies passiert, weil diese Zuckermischung im Magen nur kurz verweilt und dann den Dünndarm mit der Verdauungsaufgabe überfordert. Wenn diese Trockenpflaume aber mit Bacon oder Mandeln (einem Fett) oder in Form einer Quarkspeise (also in Kombination mit einem Protein) angeboten werden, können auch sehr viel größere Mengen verzehrt werden, ohne dass Verdauungsstress auftritt. Durch die zusammen mit den Pflaumen zugefügten Fett- und Eiweißmengen werden die Verweildauer im Magen und das nachfolgende Anfluten im Dünndarm deutlich beeinflusst.

 

Das Geschäft mit der Verdauung blüht. Immer mehr Menschen leiden unter Bauchbeschwerden und so stehen die „Experten“ mit verschiedenen Erklärungsmodellen, teuren Testungen und entsprechenden Pülverchen Gewehr bei Fuß. Ernährungswissenschaftler sind sich allerdings darin einig, dass es erst einmal lohnend ist, das Ernährungsverhalten und die Zusammensetzung der Nahrung anzusehen, bevor mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird.

 

Was ist denn eine Bauchgesunde Ernährung?

Das tut Ihrem Darm gut:

  • Trinken Sie ausreichend Wasser und ungesüßten Tee über den Tag verteilt.
  • Gemüse und Hülsenfrüchte sind der Baustein einer darmgesunden Kost. Achten Sie auf die Zubereitung. Gern mit einer Fett- und/oder Eiweißkomponente.
  • Sauermilchprodukte wie Naturjoghurt, Naturquark, Buttermilch, Kefir, Dickmilch.
  • Obst am liebsten in Kombination mit Fett oder Eiweiß, zum Beispiel Quark, essen.
  • Nüsse oder Nussmehle sind wichtige Lieferanten für Eiweiße und hochwertige Fettsäuren
  • Hafer als Getreide mit löslichen und unlöslichen Ballaststoffen gerne mit in die tägliche Kost einbauen, zum Beispiel als Porridge.
  • Pellkartoffeln sind besser als Salzkartoffeln (Stichwort resistente Stärke).
  • Fleisch als magere Stücke, wie Filet oder Steak. Bitte achten Sie auf Qualität und Herkunft!
  • Rührei, Omelette. Bitte achten Sie auf Qualität und Herkunft!
  • Fisch, speziell Lachs, Hering, Thunfisch.
  • Hochwertige Öle wie Leinöl, Rapsöl oder Olivenöl.

Das tut Ihrem Darm nicht gut

  • Süße Getränke und größere Mengen Fruchtsäfte.
  • Üppige Obstmengen als isolierte Mahlzeit.
  • Kohlenhydratreiche Nahrung in Form von Brot aus Weißmehl, Beilagen, Süßigkeiten, Getreidedrinks (Reis) und nur mit kleinem Gemüseanteil.
  • Verzehr von erhitzen Milchprodukten, wie Fruchtjoghurt, Fruchtquark- oder -milch, H-Milch.
  • Ausschließlich Blattsalate.
  • Fertiggerichte.
  • Geräuchertes, Paniertes, fettige Fleischstücke und Wurst.

 

Frau Schäfer, Ballaststoffe sind gesund. Welche Funktion haben sie in einer darmgesunden Kost und worauf sollte bei der Auswahl geachtet werden?

Das heutige Wissen um die verschiedenen Ballaststoffe ist vielfältig, deshalb muss die Auswahl der Ballaststoffe immer Symptom-orientiert angepasst werden. Es kann es sein, dass für den einen Patienten mit Verstopfung und unregelmäßigem Stuhlgang die unlöslichen Ballaststoffe hilfreicher sind. Wohingegen die Anreicherung der löslichen Ballaststoffe für Schmerzpatienten viel effektiver wäre. Unisono profitieren meist alle Bauchpatienten von einem Mehr an Gemüse in der täglichen Kost!

 

Bauchempfindliche Menschen haben Angst blähendes Gemüse zu verzehren. Haben Sie einen Tipp für unsere bauchempfindlichen Leser, die Gemüse vermeiden, da es Blähungen auslöst?

Es ist ja nicht das Gemüse, das bläht. Gemüse zeichnet sich durch eine „Schwämmchen-Funktion“ aus. Die meisten heimischen Gemüsesorten besitzen ein außerordentlich gutes Quellvermögen. Blähungen, Bauchgrimmen und Rumoren nach Gemüseverzehr zeigen vielmehr deutlich an, dass die im Gastrointestinaltrakt vorhandene, meist festsitzende Luft in Bewegung kommt und nun endlich gebunden wird. Regel Nummer Eins bleibt also, ausreichend Gemüse zu verzehren. Ideal sind hier zu Beginn gegarte, gerne auch tiefgekühlte Gemüsevariationen ohne allzu viele Zusätze. Oder auch wasserreiche rohe Sorte wie gelbe Paprika, Gurke (gegebenenfalls ohne Schale), Tomaten oder Radieschen. Blattsalate an sich werden ernährungsphysiologisch meiner Meinung nach überbewertet. Sie zeichnen sich weder durch eine gute Schwämmchenfunktion noch durch einen besonderen Nährwert aus. Als Farbkleks sind sie vielleicht nicht zu verachten, aber daraus eine Verzehrs-Empfehlung anzuleiten- nein, das würde ich für meine Bauchpatienten nicht.

 


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