Nahezu jedes 10. Kind in Deutschland leidet an einem Asthma bronchiale. Damit
ist das Asthma die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter.
Asthma bronchiale wird dabei definiert als entzündliche Erkrankung der Atemwege mit bronchialer Hyperreagibilität (Überempfindlichkeit) und wechselnden Phasen der Verengung der Atemwege. Die Symptome sind somit:
Mit Hilfe der medikamentösen Therapie sollen für die kleinen Patienten alle krankheitsbedingten Beeinträchtigungen des täglichen Lebens verhindert werden, sodass sie sich körperlich und seelisch unter Wahrung ihrer natürlichen körperlichen Aktivitäten entwickeln.
Damit eine möglichst einheitliche Therapie eingesetzt wird, ist in der Nationalen Versorgungsleitlinie (NVL) ein Stufenschema für vier Schweregrade des Asthmas festgelegt. Dabei werden bei der Behandlung zwei verschiedene Stoffgruppen unterschieden:
Controller
Die Basistherapie mit den Controllern hat zum Ziel, durch regelmäßige
Einnahme die Entzündungsreaktionen in der Lunge zu unterdrücken
und damit die langfristige Prognose der Erkrankung Asthma zu verbessern. Damit
wird der herausragende Stellenwert der antientzündlichen Therapie unterstrichen.
Aber auch langfristig die Atemwege erweiternde Substanzen wie langwirkende
Beta2Mimetika und der Leukotrien-Rezeptor-Antagonist werden zu den Basismedikamenten
gerechnet.
Inhalierbare Kortikoide: Diese Substanzen haben den höchsten Stellenwert in der Therapie des Asthma bronchiale. Leider haften ihnen noch die Kortisonängste aus der Zeit an, in der Kortison nur geschluckt oder gespritzt werden konnte. Diese Ängste sind im Wesentlichen unbegründet. In empfohlenen Dosisbereichen haben sie nahezu keine Nebenwirkungen und führen zu einem optimalen Krankheitsverlauf. Trotzdem sollte die Erhaltungsdosis so niedrig wie möglich sein. Gerade hier kann Montelukast (siehe unten) als zusätzliches Medikament helfen, Kortison zu sparen.
Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten: In Deutschland ist bislang nur der Wirkstoff Montelukast zugelassen, der sowohl eine antientzündliche als auch eine bronchienerweiternde Wirkung hat. Im Gegensatz zu vielen anderen Asthmamedikamenten ist Montelukast auch schon für Kinder unter zwölf Monaten zugelassen.
DNCG und Nedocromil: Diese Substanzen haben eine niedrige antientzündliche Wirkung und sind nahezu nebenwirkungsfrei. Leider ist nicht nur die antientzündliche Wirkung schwach, sondern auch die Wirkdauer gering. Heutzutage werden diese Wirkstoffe eher selten eingesetzt.
Inhalative, langwirkende Beta2Mimetika: Die lange Wirkdauer der Atemwegserweiterung hilft gerade Menschen mit häufigen Atemnotzuständen oder mehrfachen täglichen Phasen von Luftnot. Sie sollten immer mit einem inhalativen Cortison kombiniert werden und liegen auch als fixe Kombination vor.
Theophyllin: Diese Substanz sollte nur noch als retardierte Form mit verzögerter Wirkstofffreigabe in der Dauertherapie eingesetzt werden. Leider ist das Medikament in seiner Dosierung schwer zu steuern, da es bei Unterdosierung keine Wirkung und bei Überdosierung unangenehme Nebenwirkungen hat. Zudem sollte regelmäßig der Serumspiegel kontrolliert werden. Bei Kindern ist dieses Medikament fast entbehrlich, da heute bessere Substanzen zur Verfügung stehen. In schweren Fällen kann es ergänzend zum Cortison gegeben werden.
Orale Kortikoide werden in der Therapie der höchsten Asthmastufe eingesetzt. Im Kindesalter, wo kein eigenständiges Rauchen zu einer Lungenzerstörung geführt hat, werden sie glücklicherweise nur selten und zumeist nur als vorübergehende Stoßtherapie benötigt.
Reliever
Die Bedarfsmedikamente zur schnellen Atemwegserweiterung sind im Wesentlichen
Beta2Mimetika (wie Salbutamol) und Vagolytika (wie Ipratropiumbromid). Sie
werden bei Bedarf eingesetzt oder als Vorbeugung beim Belastungsasthma. Neben
dem eigentlichen Einsatz sind sie jedoch auch Indikatorsubstanzen, da sie
je nach Anwendungshäufigkeit ein Spiegelbild der guten oder weniger guten
Medikamenteneinstellung des Asthma bronchiale sind. Werden sie häufig
benutzt, so sollte über die Verstärkung der Controller Medikamente
nachgedacht werden. Bei nahezu fehlendem Gebrauch kann über die Reduzierung
der Dauermedikamente entschieden werden.
Hat das kindliche Asthma allergische Ursachen, kann eine Sanierung des Umfeldes sinnvoll sein. Ergänzend sollte eine spezifische Immuntherapie erwogen werden. Körperliche Aktivität und Sport schließen sich heute bei Asthma nicht mehr aus. Nur in extremen Ausnahmefällen muss ein Kind heute vom Schulsport befreit werden.
Um besser mit dieser Erkrankung umgehen zu können, ist eine Asthmaschulung sehr sinnvoll. Im Normalfall werden sie für Kinder ab fünf Jahren angeboten.
Weitere Informationen und individuelle, persönliche Beratung zu diesem Thema und zu anderen Themen gibt es für Mitglieder des Deutschen Allergie- und Asthmabund e.V.