Asthma beim Kind

Nahezu jedes 10. Kind in Deutschland leidet an
einem Asthma bronchiale. Damit ist das Asthma die
häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter.

Asthma bronchiale wird dabei definiert als entzündliche Erkrankung der Atemwege mit bronchialer Hyperreagibilität (Überempfindlichkeit) und wechselnden Phasen der Verengung der Atemwege. Die Symptome sind somit:

Seit Jahren stehen den Ärzten immer modernere Therapeutika zur Verfügung. Sie werden verabreicht, um die Entzündung und damit die bronchiale Übererregbarkeit zu vermindern. Ziel ist es, Asthmaanfälle mit all ihren Gefahren zu vermeiden und eine normale oder bestmögliche Lungenfunktion herzustellen und zu erhalten. Dabei sollen für den Patienten alle krankheitsbedingten Beeinträchtigungen des täglichen Lebens verhindert werden, so dass sich Kinder körperlich und seelisch unter Wahrung ihrer natürlichen körperlichen Aktivitäten entwickeln.

Leider zeigt die tägliche Erfahrung, dass die uns zur Verfügung stehenden Medikamente, darunter das inhalative Cortison an erster Stelle, erst spät in der Erkrankung eingesetzt werden. Oft steckt die Angst vor vermeindlichen Nebenwirkungen hinter dieser Haltung. Diese Angst ist jedoch in den meisten Fällen unbegründet und kostet nur unnötige Zeit, in der die Entzündungsreaktionen in der Lunge weiter ihr Unwesen treiben können. So wissen wir heute bezüglich der Nebenwirkungen des inhalative Cortisons, dass in der Regel mit keiner Wachstumsreduzierung zu rechnen ist. Im Gegenteil: Gerade schlecht eingestellte Asthmatiker wachsen laut wissenschaftlichen Untersuchungen viel schlechter, als gut eingestellte Asthmatiker unter Cortisontherapie. Deshalb sind die frühzeitige Diagnosestellung und die ausreichende Therapie für die optimale Behandlung des Asthma bronchiale so wichtig.

Damit hier eine möglichst einheitliche Therapie geführt wird, haben sich führende Asthmatherapeuten auf ein Stufenschema der Therapie verständigt. Dabei wird bei der Behandlung zwei verschiedene Stoffgruppen unterschieden:

Controller

Die Basistherapie mit den Controllern hat zum Ziel, durch regelmäßige Einnahme die Entzündungsreaktionen in der Lunge zu unterdrücken und damit die langfristige Prognose der Erkrankung Asthma zu verbessern. Damit wird der herausragende Stellenwert der antientzündlichen Therapie unterstrichen. Aber auch langfristig die Atemwege erweiternde Substanzen mit fehlender oder fraglicher antientzündlicher Wirkung, wie langwirkende Beta2Mimetika und das retardierte Theophyllin, werden zu den Basismedikamenten gerechnet.

DNCG und Nedocromil. Diese Substanzen haben eine niedrige antientzündliche Wirkung und sind nahezu nebenwirkungsfrei. Leider ist nicht nur die antientzündliche Wirkung schwach, sondern auch die Wirkdauer gering. Deshalb müssen die Substanzen drei- bis viermal täglich inhaliert werden. Dies führt gerade bei Kindern zu erheblichen Therapieproblemen.

Man stelle sich nur eine Familie mit zwei asthmakranken Kindern vor, die viermal täglich 15 Minuten mit DNCG inhalieren müssen. Für die zumeist ja die Therapie koordinierende Mutter ist mit zwei Stunden reiner Inhalationstherapie der Tag schon ohne weitere Hausarbeit ausgefüllt, da ja noch Reinigungsarbeiten hinzukommen. Aus diesem Grunde verwenden die „Erwachsenenmediziner“ diese Substanzen zunehmend seltener. Auch ich setze hier lieber frühzeitig niedrig dosierte inhalative Corticoide oder neuerdings das von mir sehr geschätzte Singulair ein.

Leukotrienantagonisten (Singulair). Leukotrienantagonisten blockieren bestimmte Botenstoffe der allergischen Reaktion, die aus speziellen weißen Blutkörperchen freigesetzt werden. Diese Botenstoffe bewirken Reaktionen an allen wichtigen Organabteilungen der Lunge: Gefäßepithelien, Muskelfasern und Schleimdrüsen, was zu den Symptomen Husten, Luftnot und Giemen führt. Die Leukotrienantagonisten hemmen diese Reaktionen, indem sie die Botenstoffe, die Leukotriene, blockieren. In Deutschland ist dabei nur ein Medikament, das Singulair, zugelassen. In bisher vorliegenden Studien und aus persönlicher Erfahrung scheinen sich durch den Einsatz von Singulair bei Asthma der Stufe2 und 3 deutlich die Mengen des inhalativen Cortisons reduzieren zu lassen.

Neu ist an dem Medikament, dass es jetzt auch eine Dosierung für die zwei- bis sechs-jährigen Kinder gibt. Dabei ist dies für den Kinderarzt eine deutliche Erleichterung in der Therapie des Asthma bronchiale, da endlich mal wieder eine Firma die Zulassung eines Medikamentes für unsere kleinsten Patienten angestrebt hat. Oft steht der Kinderarzt vor dem Dilemma, dass zugelassene Medikamente fehlen, da die Zulassung eines Medikamentes für junge Kinder mangels Markt und damit Gewinnerwartung, nicht betrieben wurde. Hier steht der Kinderarzt dann oft bei der Therapie mit einem Bein vor dem Kadi.

Singulair ist jedoch glücklicherweise zugelassen für unsere kleinen Patienten. In ersten Studien wurde die deutliche Reduktion der Asthmasymptome festgestellt. Diese Studien bedürfen zwar weiterer Überprüfung, lassen jedoch für die Zukunft hoffen. Gerade bei der Stufe1 des Asthmas mit dauerhafter DNCG-Inhalation könnte die einmalige Gabe einer Kautablette als einzige Therapie eine erhebliche Erleichterung der Therapie und damit auch der Therapietreue bringen.

Inhalierbare Corticoide. Diese Substanzen haben den höchsten Stellenwert in der Therapie des Asthma bronchiale. Leider haften ihnen noch die Cortisonängste aus der Zeit an, in der Cortison nur geschluckt oder gespritzt werden konnte. Diese Ängste sind im wesentlichen unbegründet. In empfohlenen Dosisbereichen haben sie nahezu keine Nebenwirkungen und führen zu einem optimalen Krankheitsverlauf. Trotzdem sollte die Erhaltungsdosis so niedrig wie möglich sein. Gerade hier kann das Singulair als zusätzliches Medikament helfen, Cortison zu sparen.

Inhalative, langwirkende Beta2 – Mimetika. Die lange Wirkdauer der Atemwegserweiterung hilft gerade Menschen mit häufigen Atemnotzuständen oder mehrfache täglichen Phasen von Luftnot. Sie sollten immer mit einem inhalativen Cortison kombiniert werden und liegen auch als fixe Kombination vor.

Theophyllin. Diese Substanz sollte nur noch als retardierte Form mit verzögerter Wirkstofffreigabe in der Dauertherapie eingesetzt werden. Leider ist das Medikament in seiner Dosierung schwer zu steuern, da es bei Unterdosierung keine Wirkung und bei Überdosierung unangenehme Nebenwirkungen hat. Zudem sollten regelmäßige Serumspiegel kontrolliert werden. Aus meiner praktischen Erfahrung heraus, ist das Medikament bei Kindern nahezu immer entbehrlich, da uns in der heutigen Zeit bessere Substanzen zur Verfügung stehen. Im Einzelfall kann es natürlich ergänzend zum Cortison gegeben werden.

Orale Corticoide werden in der Therapie der höchsten Asthmastufe eingesetzt. Im Kindesalter, wo kein eigenständiges Rauchen zu einer Lungenzerstörung geführt hat, werden sie glücklicherweise nur selten und zumeist nur als intermittierende Stosstherapie benötigt.

Reliever

Die Bedarfsmedikament zur schnellen Atemwegserweiterung sind im wesentlichen Beta2–Mimetika (wie Salbutamol) und Vagolytika (wie Atrovent). Sie werden bei Bedarf eingesetzt oder als Vorbeugung beim Belastungsasthma. Neben dem eigentlichen Einsatz sind sie jedoch auch Indikatorsubstanzen, da sie je nach Anwendungshäufigkeit ein Spiegelbild der guten oder weniger guten Medikamenteneinstellung des Asthma bronchiale sind. Werden sie häufig benutzt, so sollte über die Verstärkung der Controller Medikamente nachgedacht werden. Bei nahezu fehlendem Gebrauch kann über die Reduzierung der Dauermedikamente entschieden werden.

Therapieschema

Um eine möglichst einheitliche Therapie der Asthmatiker zu gewährleisten wurde in den letzten Jahren von den Fachgesellschaften ein Stufenschema verabschiedet. Dieses Stufenschema sollte Richtlinie bei der Asthmatherapie sein. Neue Medikamente finden jedoch nur zögerlich Eingang in die Bürokratie des Stufenplanes, was nicht dazu führen sollte, dass sie dem Patienten vorenthalten werden. In einer Neuerung des Stufenplanes sollte das Singulair einen festen Platz als Alternative zur DNCG Dauerinhalation finden.

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