Deutscher Allergie- und Asthmabund e.V.

Fruchtzucker-Unverträglichkeit

Viele Menschen werden von Magen-Darm-Beschwerden geplagt, jedoch bleibt der Grund meistens im Verborgenen. Rebelliert der Darm insbesondere nach dem Genuss von Obst und Säften, könnte eine Fruchtzucker-Unverträglichkeit (Fruktose-Malabsorption) dahinter stecken.


Wofür wir uns einsetzen und welche Angebote wir für unsere Mitglieder haben, lesen Sie am Ende des Textes.


Fruktose (Fruchtzucker) kommt in unterschiedlicher Konzentration in den meisten Obst- und Gemüsesorten vor. Normalerweise wird der Zucker von den Dünndarmzellen vollständig aufgenommen und in den Körper weitergeleitet. Bei einer "Malabsorption" - Störung der Nährstoffaufnahme - ist das nicht der Fall. Schuld daran ist die Fehlfunktion eines bestimmten Proteins (GLUT-5), das für den Transport von Fruktose zuständig ist.

Beschwerden der Fruktose-Malabsorption

Ist das Transportsystem gestört, kann die Fruktose aus der Nahrung nicht oder nur begrenzt von den Zellen der Dünndarmschleimhaut aufgenommen werden. Sie wandert dann in den Dickdarm, wo sie von Bakterien zu organischen Säuren, Kohlendioxid und Wasserstoff abgebaut wird. Es können folgende Beschwerden entstehen:

  • Übelkeit 
  • Appetitlosigkeit 
  • Unterbauchkrämpfe
  • Einseitige Schmerzen im Magen-/ Darmtrakt
  • Blähungen
  • Plötzlicher Stuhldrang
  • Durchfälle

Formen der Fruktose-Unverträglichkeit

Die Fruktose-Malabsorption ist in jedem Fall streng von der viel seltener auftretenden hereditären Fruktose-Intoleranz (HFI) abzugrenzen. Die HFI wird durch einen angeborenen Enzymdefekt ausgelöst. Darum tritt die Fruktose-Intoleranz erstmals bereits im Säuglingsalter, meist beim Übergang auf Beikost (Obst, Gemüse oder Honig) auf. Die Folge: Auf fruktosehaltige Mahlzeiten folgen auch hier Magen-Darm-Beschwerden, außerdem reichert sich die Fruktose in der Leber an und führt zu lebensbedrohlichen Vergiftungserscheinungen.

Wenn Sie den Eindruck haben, dass bei Ihrem Kind eine solche Erkrankung vorliegt, sollten Sie sich an Ihren (Kinder-) Arzt oder an die Stoffwechselambulanz einer (Kinder-) Klinik wenden. Bei einer hereditären Fruktose-Intoleranz muss der Betroffene in der Regel sein ganzes Leben lang auf fruktosehaltige Kost verzichten. 

Diagnose

Der "klassische" Nachweis ist der H2-Atemtest. Bei diesem etablierten Testverfahren wird - nach Gabe von Fruktose - das Gas H2 in bestimmten Zeitabständen in der ausgeatmeten Luft bestimmt. Wir die Fruktose nicht oder nicht ausreichend abtransportiert entsteht dieses Gas im Dünndarm und wird eingeatmet.

Diagnostizieren kann der Arzt eine Fruktose-Malabsorption mit dem "H2-Atemtest", dem Wasserstoff-Atemtest. Unter ärztlicher Aufsicht wird dabei ein Gemisch aus Wasser und Fruktose (25g) getrunken und danach der Wasserstoffgehalt der Atemluft über einen Zeitraum von rund drei Stunden mithilfe eines Atemgerätes gemessen.

Hilfe durch Ernährungsumstellung

Hat sich der Verdacht auf eine Fruktose-Malabsoption bestätigt, muss der Betroffene die Aufnahme von Fruktose und Sorbit einschränken. Die Ernährung wird stufenweise umgestellt. Der erste Schritt der Therapie ist eine fruktosearme und sorbitfreie Kost. In erster Linie bedeutet das den Verzicht auf Obst oder Obstsäfte, sowohl den Zusatz von Fruktose und Sorbit in verarbeiteten Lebensmittel.


In wieweit auch Haushaltszucker und andere Süßungsmittelvermieden werden müssen, muss im Einzelfall mit einer Ernährungsfachkraft erarbeitet werden. Pauschale Diätlisten, wie sie im Internet oder in Büchern aufgeführt sind, helfen nur bedingt weiter, da jeder Patient unterschiedlich reagiert. Nicht nur die absolute Fruktose- und Sorbitaufnahme spielen eine Rolle. Vielmehr entscheidend ist die Zusammensetzung der Mahlzeit, Esszeiten und andere Faktoren, die die Verdauung beeinflussen.

Ein erster Kostplan sollte in Zusammenarbeit mit einer Ernährungsfachkraft erarbeitet und mindestens drei  bis vier Wochen eingehalten werden. Nach einer solchen Diät kann der Patient bei Beschwerdefreiheit, bzw. -besserung mit der Test- und Aufbauphase beginnen, in der schrittweise fruktosehaltige Lebensmittel wieder in die Ernährung aufgenommen werden. Um eventuell auftretende Beschwerden besser kontrollieren zu können, sollte ein Ernährungs-Symptom Tagebuch geschrieben werden. In der anschließenden Dauerphase kann der Patient die Lebensmittel bzw. die Menge an Fruktose verzehren, die keine Beschwerden auslösen

Sollten Sie weitere Fragen haben, dann wenden Sie sich an den Deutschen Allergie- und Asthmabund e.V. Dort erhalten Sie als Mitglied eine detaillierte Beratung durch das DAAB-Wissenschaftsteam.



Zu diesem Thema bieten wir Ihnen weitere schriftliche Informationen an:

  • Ernährungs-Symptom-Tagebuch

Das gibt es zusätzlich nur für unsere Mitglieder

  • Fruktose-Malabsorption: Fragen von A-Z
  • Ausführliche Ernährungsempfehlungen zur Fruktose-Unverträglichkeit
  • Ersatzprodukte für den täglichen Gebrauch
  • Rezeptsammlung des DAAB
  • Ernährungsfachkräfte in Ihrer Nähe

Dafür setzen wir uns ein

  • Bessere Allergie-Diagnostik von Lebensmittelallergien: Zugang für Patienten zu leitliniengerechter Diagnostik, d.h. Anamnese, Blut- und Hauttests und ggf. orale Provokationstestung (auch stationär).
  • Kostenübernahme einer qualifizierten Ernährungstherapie der Krankenkassen für Patienten mit einer Lebensmittel-Unverträglichkeit.
  • Ein für den Verbraucher verständliches und eindeutiges Zutatenverzeichnis:
    • einen Allergiehinweis auf verpackten Lebensmitteln außerhalb der Zutatenliste, in dem die allergieauslösenden Zutaten in "einfacher Sprache" aufgeführt sind. Beispiel: Enthält Milch, Weizen.
    • Einzelverpackungen aus Großgebinden sollten (bei ausreichender Verpackungsgröße) den Hinweis auf das Vorkommen von Hauptallergenen und möglichen unbeabsichtigten Verunreinigungen erhalten.
    • Differenzierung der Gruppen "Glutenhaltiges Getreide" und "Schalenfrüchte" bei Hinweisen auf unbeabsichtigte Kontamination: Statt "Kann Schalenfrüchte enthalten" besser formuliert "Kann Haselnüsse, Mandeln (etc.) enthalten". Statt "Kann glutenhaltiges Getreide enthalten" besser formuliert "Kann Weizen, Dinkel (etc.) enthalten".
  • Einheitliche Kennzeichnung durch einen vorgegebenen Wortlaut für das unbeabsichtigte Vormommen von Allergieauslösern (Spurenkennzeichnung) - einheitlich in Bezug auf Wortlaut und Grundlagen der Kennzeichnung.
  • Festlegung einer einheitlichen Grundlage zur Kennzeichnung von unbeabsichtigt vorkommenden "Spuren" anhand von medizinisch gesicherten Schwellenwerten.
  • Schriftliche Information zu allergenen Zutaten, die vollständig, tagesaktuell und für Kunden einsehbar ist.
  • Verpflichtende Allergenschulung für alle Mitarbeiter in Herstellung und Service bei unverpackt angebotenen Lebensmitteln (Lose Ware), z.B. angeschlossen an die Hygieneschulung.
  • Sichere Außer-Haus Verpflegung für Lebensmittelallergiker in Kitas, Schulen, Kliniken etc.: Verpflichtende Allergieschulungen für lebensmittelverarbeitende Berufe wie Metzger, Bäcker etc.
  • Aufnahme des Themas Lebensmittelallergien in die Ausbildung von Köchen, Metzgern, Bäckern sowie in allen Bereichen des lebensmittelverarbeitenden Industrie und Gastronomie.

Unsere Buchempfehlungen zu diesem Thema

 

Gesund essen – Fruktosearm genießen, Kamp, Schäfer, 2007

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Köstlich essen: Fruktose, Laktose und Sorbit vermeiden, Schäfer, Kamp, 2009

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