Deutscher Allergie- und Asthmabund e.V.

Histamin-Intoleranz

Es gibt in der Allergologie zurzeit kein umstritteneres Krankheitsbild als das der Histamin-Intoleranz. Während einige Ärzte jedes Symptom ihrer Patienten dieser Erkrankung zuordnen, lehnen andere Ärzte das Krankheitsbild strikt ab. Der Patient steht zwischen den Meinungsvertretern und ist der Leidtragende, da er entweder nicht ernst genommen wird oder die Diätempfehlungen zu einschneidend sind.


Wofür wir uns einsetzen und welche Angebote wir für unsere Mitglieder haben, lesen Sie am Ende des Textes.


Histamin gehört wie Serotonin oder Thyramin zu der Gruppe der biogenen Amine. Biogene Amine sind biologisch aktive Substanzen, vergleichbar mit „kleinen Helfern“, die im Körper für wichtige Funktionen notwendig sind. Sie regulieren den Blutdruck, regen die Magensaftproduktion an, steigern die Darmbewegung und sorgen für einen ausgeglichenen Schlaf-Wach-Rhythmus. Haben die Helfer Ihre Arbeit erledigt oder sind zu viele Helfer vorhanden, werden diese über das Enzym Diamonioxidase (DAO) im Dünndarm abgebaut.

Bei der Histamin-Intoleranz liegt ein Ungleichgewicht zwischen der Histaminbildung, -aufnahme und dem Histamin-Abbau vor. Über den genauen Krankheitsmechanismus sind sich die Experten allerdings noch nicht im Klaren. Eine mögliche Erklärung ist eine Störung im Histamin-Abbau, die auf einen Mangel des Histamin abbauenden Enzyms Diaminooxidase (DAO) zurückzuführen ist.

Diagnostik

Es existiert bis jetzt kein beweisendes Testverfahren und keine einheitliche Vorgehensweise zur Diagnose einer Histamin-Intoleranz. Die folgenden Möglichkeiten stehen dem Arzt zur Verfügung. Ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch steht an erster Stelle jeder Diagnostik. Eine Eliminationsdiät ist oft die Methode der Wahl. Dabei wird der Patient auf eine histaminarme Kost gesetzt, die er rund vier Wochen einhalten muss. Bei einer vorhandenen Histamin-Intoleranz erfolgt eine relativ rasche Symptom-Besserung. Um definitiv abzuklären, ob eine Histamin-Intoleranz vorliegt, kann eine doppelblinde placebokontrollierte orale Provokation erfolgen.

Was tun bei Histamin-Intoleranz?

Falls sich der Verdacht der Histamin-Intoleranz in den vorausgegangenen Überlegungen und Untersuchungen erhärtet hat und Sie von einer histaminarmen Kost profitieren, sollten Sie Ihre Ernährung erst einmal versuchsweise umstellen. Verlassen Sie sich dabei nicht auf strikte Ernährungsempfehlungen in der Laienpresse, sondern auf Ihr „Bauchgefühl“ und die Ernährungsempfehlungen, die gesichert sind. Eine histmaminarme Kost steht auf zwei Säulen.

Zum einen wird der Verzehr von histaminreichen Lebensmitteln eingeschränkt und Triggerfaktoren werden vermieden. Die Schwankungsbreite des Histamingehaltes in Nahrungsmitteln ist  abhängig von Frische, Reife und Sorte des Nahrungsmittels (Wein, Käse = 0,4 - 250mg/ 100g). Daher kann es sein, dass beispielsweise ein Wein vom gleichen Hang aus einem Jahr gut vertragen wird, während der nächste Jahrgang unverträglich ist.

Unsere Tipps zur histaminarmen Ernährung

  • Lebensmittel so frisch wie möglich verzehren.
  • Alkoholkonsum einschränken
  • Kochen, Backen oder Einfrieren ändert den Gehalt an biogenen Aminen im Lebensmittel nicht!
  • Verzicht auf gereifte Lebensmittel wie Sauerkraut.
  • Fischsorten wie Makrele, Sardelle, Hering und Thunfisch einschränken.
  • Frischen oder tiefgekühlten Fisch gegenüber geräuchertem, getrocknetem oder gesalzenem vorziehen.
  • Weißwein statt Rotwein nutzen, besonders hohe Werte hat französischer Rotwein, Chianti und Muskat. Spätlesen enthalten mehr biogene Amine als Kabinettweine.
  • Streichkäse und junge  Käsesorten (zum Beispiel  Butterkäse) anstelle von lang gereiftem Hartkäse verwenden.
  • Kochwurst (Fleischwurst) oder gekochter Schinken anstelle von Rohwurst (Salami) verzehren.


Dafür setzen wir uns ein

  • Bessere Allergie-Diagnostik von Lebensmittelallergien: Zugang für Patienten zu leitliniengerechter Diagnostik, d.h. Anamnese, Blut- und Hauttests und ggf. orale Provokationstestung (auch stationär).
  • Kostenübernahme einer qualifizierten Ernährungstherapie der Krankenkassen für Patienten mit einer Lebensmittel-Unverträglichkeit.
  • Ein für den Verbraucher verständliches und eindeutiges Zutatenverzeichnis:
    • einen Allergiehinweis auf verpackten Lebensmitteln außerhalb der Zutatenliste, in dem die allergieauslösenden Zutaten in "einfacher Sprache" aufgeführt sind. Beispiel: Enthält Milch, Weizen.
    • Einzelverpackungen aus Großgebinden sollten (bei ausreichender Verpackungsgröße) den Hinweis auf das Vorkommen von Hauptallergenen und möglichen unbeabsichtigten Verunreinigungen erhalten.
    • Differenzierung der Gruppen "Glutenhaltiges Getreide" und "Schalenfrüchte" bei Hinweisen auf unbeabsichtigte Kontamination: Statt "Kann Schalenfrüchte enthalten" besser formuliert "Kann Haselnüsse, Mandeln (etc.) enthalten". Statt "Kann glutenhaltiges Getreide enthalten" besser formuliert "Kann Weizen, Dinkel (etc.) enthalten".
  • Einheitliche Kennzeichnung durch einen vorgegebenen Wortlaut für das unbeabsichtigte Vormommen von Allergieauslösern (Spurenkennzeichnung) - einheitlich in Bezug auf Wortlaut und Grundlagen der Kennzeichnung.
  • Festlegung einer einheitlichen Grundlage zur Kennzeichnung von unbeabsichtigt vorkommenden "Spuren" anhand von medizinisch gesicherten Schwellenwerten.
  • Schriftliche Information zu allergenen Zutaten, die vollständig, tagesaktuell und für Kunden einsehbar ist.
  • Verpflichtende Allergenschulung für alle Mitarbeiter in Herstellung und Service bei unverpackt angebotenen Lebensmitteln (Lose Ware), z.B. angeschlossen an die Hygieneschulung.
  • Sichere Außer-Haus Verpflegung für Lebensmittelallergiker in Kitas, Schulen, Kliniken etc.: Verpflichtende Allergieschulungen für lebensmittelverarbeitende Berufe wie Metzger, Bäcker etc.
  • Aufnahme des Themas Lebensmittelallergien in die Ausbildung von Köchen, Metzgern, Bäckern sowie in allen Bereichen des lebensmittelverarbeitenden Industrie und Gastronomie.

Unsere Buchempfehlung zu diesem Thema

 

Gesund essen mit Histaminintoleranz, Kamp 2010

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