Deutscher Allergie- und Asthmabund e.V.

Alles Dufte im Innenraum?

Die Raumbeduftung kann das Wohlbefinden oder die Kauflust der Menschen beeinflussen. Empfindliche Personen aber reagieren auf Duftstoffe mit Beschwerden wie Atemnot, Schwindel, Hautjucken oder Augentränen. Der Deutsche Allergie- und Asthmabund e.V. lud Experten zu einem Austausch nach Berlin ein, um Wege zum umsichtigen Umgang mit Düften zu diskutieren.

Der Mensch verbringt durchschnittlich rund 90 Prozent seiner Zeit in Innenräumen als Bewohner, Gast, Kunde, Patient oder Angestellter. Dem Bedürfnis nach angenehmer Atmosphäre kommt der Einsatz von Duftstoffen in Innenräumen entgegen. So überrascht es nicht, dass Raumbeduftung sowohl in privaten als auch in öffentlichen Räumen an Bedeutung gewinnt. Der Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel (IKW) spricht in seinem Marktbericht von zweistelligen Zuwachsraten der Raumdüfte.

„Aus unserer Beratungspraxis wissen wir, dass viele Menschen die Beduftung als Belästigung empfinden“, so Chemikerin Ingrid Voigtmann vom Deutschen Allergie- und Asthmabund e.V.

Den Unverträglichkeitsreaktionen auf luftgetragene Duftstoffe wird bislang nur wenig Beachtung geschenkt. Auch die Langzeitrisiken der Raumbeduftung können derzeit nicht abgeschätzt werden.

Gemeinsam mit Experten diskutierte der Deutsche Allergie- und Asthmabund e.V. Fragen der Risikobewertung von Raumdüften in öffentlich zugänglichen und privaten Räumen.  Dabei wurden die Ergebnisse einer bundesweiten Umfrage zum Einsatz von Raumbeduftung in öffentlich zugänglichen Räumen vorgestellt.  Gleichermaßen wurde eine Studie vorgestellt, die der DAAB beauftragte, um Beduftungsprodukte für den Privatgebrauch (Duftsprays, Duftkerzen oder Raumerfrischern) hinsichtlich möglicher Schadstoffe zu untersuchen.

Umfrage zum Einsatz von Beduftung in öffentlichen Räumen

„Wir haben 420 öffentlich zugängliche Einrichtungen in 26 Großstädten angeschrieben“, berichtet Dr. Silvia Pleschka vom Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB). „Damit wollten wir einen ersten Eindruck bekommen, wie weit verbreitet Raumbeduftung ist.“ Befragt wurden Betreiber von z.B. Kinos, Theater- und Opernhäusern, Verwaltungen, Flughäfen, Bahnhöfen, Hotels, Kaufhäusern und Kliniken.

Ziel der Befragung war zu erfahren, ob Duftstoffe zur Raumbeduftung eingesetzt werden und was die Anwender über die gesundheitliche Wirkung der Duftstoffe wissen. Eine wichtige Frage bezog sich auf die Transparenz der Beduftung gegenüber Kunden, Mitarbeitern, Patienten und Besuchern.

23 Prozent der Einrichtungen, die an der Umfrage teilnahmen, beduften ihre Räume.

Nach Angaben der Anwender wird die Raumbeduftung überwiegend zur Überdeckung von unangenehmen Gerüchen eingesetzt. Zum Einsatz kamen dabei meist Raumsprays und Duftspender. Die Hauptanwender der Raumbeduftung sind Kinobetreiber, Hotels und Handelshäuser. Die Kenntnis der Anwender über die Qualität der bedufteten Raumluft war oftmals mangelhaft: Mehr als ein Drittel der Anwender gehen davon aus, dass Raumbeduftung die Qualität der Innenraumluft sogar verbessert.

„Besonders bedenklich ist die Informationspraxis zum Duftstoffeinsatz“, so Dr. Silvia Pleschka. Mehr als die Hälfte der Anwender informiert gar nicht über den Einsatz von Raumbeduftung bzw. erst auf Nachfrage. Ein Drittel der Anwender setzen voraus, dass die Besucher und Kunden selbst auf den Einsatz von Raumbeduftung aufmerksam werden.

Der Deutsche Allergie- und Asthmabund fordert hier zum Schutz von Menschen mit Allergien und Asthma eine bessere Transparenz sowie eine angemessene Information zum Duftstoffeinsatz.

Trügerische Frische

Der Dufteinsatz im Privatbereich nimmt immer mehr zu. Häufig ist dem Nutzer unklar, dass er mit dem Eintrag der Düfte die Qualität der Innenraumluft meist dramatisch verschlechtert.

Die Gesellschaft für Umwelt- und Innenraumanalytik hat im Auftrag des Deutschen Allergie- und Asthmabund e.V. verschiedene Raumerfrischer untersucht.

„Die untersuchten Beduftungsprodukte für den Privatgebrauch wurden nach der Bedienungsempfehlung der Hersteller angewendet“, berichtet Dr. Andreas Winkens, wissenschaftlicher Leiter der Untersuchung.

Zum Einsatz kamen dabei marktübliche Raumsprays, Duftöle, Duftkerzen und Duftgele. Gemessen wurden die Konzentrationen an leichtflüchtigen Verbindungen (VOS), Formaldehyd, weiteren Aldehyden und Ketonen.

Die meisten Produkte gaben signifikante Mengen an dem Terpen Limonen an die Raumluft ab. Limonen ist als potentes Allergen bekannt und gilt als (Haut-)reizend und sensibilisierend. Hohe Innenraumkonzentrationen von Limonen sollten daher aus Vorsorge vermieden werden.

Sehr auffällig zeigte sich hierbei ein Duftöl, das Limonenkonzentrationen von mehr als 3000 µg/m3 in der Raumluft verursachte. „Diese Limonenmengen liegen weit über den üblichen Konzentrationen von leichtflüchtigen Stoffen in Innenräumen“, gibt Dr. Winkens zu bedenken. „Aufgrund der hohen Konzentration an Limonen kann dieses Produkt für die Verwendung in Innenräumen nicht empfohlen werden“, betont der Experte.

Der Verbraucher kann zurzeit nicht erkennen, ob die Verwendung eines bestimmten Raumerfrischers seine Gesundheit gefährdet oder nicht. Daher empfiehlt es sich grundsätzlich, die Quelle der Geruchsbelästigung zu entfernen anstatt sie zu maskieren und auch das Lüftungsverhalten entsprechend zu ändern.

Weiter zur Studie des Deutschen Allergie- und Asthmabundes e.V. als pdf-Download.

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