Deutscher Allergie- und Asthmabund e.V.

Neue Behandlungsformen bei Nesselsucht und Urtikaria

Das Vermeiden der Auslöser steht an erster Stelle der Behandlung einer Nesselsucht. In Zusammenarbeit mit dem Arzt können dazu Strategien entwickelt werden. Die medikamentöse Behandlung von Krankheitserregern, wie Helicobakter pylori oder Entzündungsherden, muss gewissenhaft und mit Nachkontrollen stattfinden.


Wofür wir uns einsetzen und welche Angebote wir für unsere Mitglieder haben, lesen Sie am Ende des Textes.


Die Gewöhnungstherapie oder Toleranzentwicklung kann bei den physikalischen Urtikarien angewendet werden. Der Körper wird dabei immer wieder mit dem Auslöser (z.B. Kälte bei Kälteurtikaria) konfrontiert und dies in ansteigender Dosis konfrontiert, damit er lernt, diesen Auslöser zu tolerieren. Die Toleranzinduktion ist speziell für die physikalischen Urtikariaformen geeignet und wird in speziellen Urtikariazentren durchgeführt. Je nach Auslöser sind die Heilungschancen gut. Eine solche Behandlung muss mit dem behandelnden Arzt durchgesprochen werden. Dabei wird abgeklärt, welche Behandlungsmöglichkeit geeignet ist.



Wenn keine Ursache gefunden wird, bleibt nur die symptomatische Behandlung durch entsprechende Medikamente. Das gängigste Arzneimittel ist ein Antihistaminikum, das standardmäßig einmal täglich eingenommen wird. Nur bei jeder zweiten Nesselsucht zeigt diese Standardtherapie aber Wirkung.

Häufig kann der Juckreiz nur mäßig oder gar nicht gelindert werden und die Quaddeln sowie Schwellungen bleiben bestehen. Auch eine höhere Dosierung (bis zur 4-fach Menge) der Medikamente, wie es in der Urtikaria-Leitlinie empfohlen wird, führt nicht immer zur gewünschten Besserung, jedoch oft zu steigender Müdigkeit und sinkender Reaktionsfähigkeit.

Innovation in der Urtikaria-Behandlung

Kein Wunder, dass Menschen, bei denen die Beschwerden über Monate oder Jahre hinweg auftreten, sich ihrer Erkrankung oft hilflos ausgeliefert fühlen. Die Forschung läuft daher auf Hochtouren und sucht nach neuen Behandlungsansätzen. Es gibt für Patienten, bei denen bisherige Therapien nicht ausreichend erfolgreich waren, nun eine weitere, neue Behandlungsmöglichkeit, die der Hautarzt den Patienten in regelmäßigen Intervallen verabreicht. Bestehen nach ein bis vier Wochen trotz erhöhter Gabe des Antihistaminikums weiterhin Beschwerden, wird aktuell zusätzlich der Wirkstoff Omalizumab empfohlen, der inzwischen für die Behandlung der therapierefraktären (nicht ansprechend auf eine andere Therapie) chronisch spontanten Urtikaria (csU) zugelassen ist. Omalizumab ist ein Wirkstoff, der im Körper den Antikörper Immunoglobulin E (IgE) bindet. Es unterdrückt die durch Histamin-induzierten (ausgelösten) Hautreaktionen, wahrscheinlich durch die Senkung der freien IgE-Konzentration im Körper und die dadurch bedingten Effekte auf die zellulären Aktivierungsmechanismen. Omalizumab steht Patienten ab zwölf Jahren mit chronisch spontaner Urtikaria zur Verfügung, die nicht auf die aktuelle Standardtherapie mit Antihistaminika ansprechen.

Stress als Trigger

Dass Stress auch bei der Urtikaria als Verstärker wirken kann, ist mittlerweile ausreichend belegt. Stress wirkt sich auf die Psyche eines Menschen genauso negativ aus wie auf die Befindlichkeit des Körpers. Die dauerhafte Einwirkung so genannter Stresshormone auf den Körper kann zu leichten bis schweren körperlichen und psychischen Erkrankungen führen. Wie stark diese Belastung ist und in welchem Maße Stresssituationen eine Auswirkung auf die Gesundheit eines Menschen haben, ist individuell sehr unterschiedlich und von der psychischen und physischen Konstitution jedes Einzelnen abhängig.


Unser Tipp bei Urtikaria

    • Bestellen Sie das Urtikaria-Tagebuch unter info@daab.de oder nutzen die neue Nessel-App und dokumentieren Sie so Ihre Beschwerden. Eine Skala für den Juckreiz, das Auftreten von Quaddeln und Angioödemen gibt dem Arzt Auskunft über den Verlauf und die Schwere der Symptome.
    • Dokumentieren Sie Ihre Nesselsucht anhand von Fotos.
    • Achten Sie bei der Behandlung darauf, dass je nach Urtikaria-Form verschiedene Untersuchungen wie Blut- und Differentialblutbild, Urin- und Stuhlanalysen, Heliobakter pylori-, Streptokokken- und Staphylokokken-Serologie, physikalische Testungen, Antikörperbestimmungen, Hormonanalysen, Untersuchungen auf versteckte Infekte und allergologische Testungen durchgeführt werden.


Diese Angebote gibt es nur für DAAB-Mitglieder

  • Urtikaria von A-Z: Die häufigsten Fragen und Antworten
  • Hautpflege ABC - Wirkstoffe im Überblick
  • Unterschiedliche Formen der Nesselsucht
  • Urtikaria und Ernährung
  • Liste mit spezialisierten Ärzten, Kompetenzzentren und Spezialkliniken

Dafür setzen wir uns ein:

  • Das Krankheitsbild der Urtikaria (Nesselsucht) ist immer noch ein Randthema, dass selten im Fokus der Medien ist. Betroffene ziehen sich eher zurück und „leiden“ im Stillen. Durch eine breite Aufklärungskampagne und die Initiierung des Welt-Urtikaria Tages möchten wir die Hautkrankheit aus der Nische der Berichterstattung holen.
  • Wir bieten den Patienten eine Plattform zum Austausch und entsprechende Experten für die Beratung und die praktische Hilfe, abseits der Arztbesuche.
  • Jeder Urtikaria Patient spricht im Durchschnitt bei vier Ärzten wegen seiner Hauterkrankung vor. Dies möchten wir ändern und erstellen in Zusammenarbeit mit spezialisierten Ärzten und Kliniken eine Liste mit Kompetenzzentren, in denen Betroffene adäquat behandelt werden.
  • Wir arbeiten an der medizinischen Leitlinie Urtikaria mit.
  • Wir fordern einen zusätzlichen Allergikerhinweis auf Kosmetika (z.B. enthält Duft- und Konservierungsstoffe) sowie deutlicher hervorgehobene und verständlichere (deutsche Bezeichnungen) Kennzeichnung der häufigsten Auslöser von Kontaktallergien auf Kosmetika.
  • Wir fordern die vollständige Deklaration sowie einen zusätzlichen Hinweis auf potentielle Allergieauslöser (z.B. enthält Duftstoffe) auf medizinischen Produkten wie Salben, Lotionen, Verbandsmaterialien, Heftpfastern etc.
  • Deklaration der Inhaltstoffe mit Allergiehinweis auf Wasch- und Reinigungsmitteln.
  • Gesetzliche Regelung von Begriffen wie „hypoallergen“ zum Schutz der Verbraucher.
  • Verbot allergieauslösender Stoffe in Kinderkosmetik.

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