Meningokokken

In den Frühjahrsmonaten geistern jedes Jahr neue Schreckensnachrichten durch die Presselandschaft. Besonders in Süddeutschland waren in den letzten Jahren gehäuft Fälle der eitrigen Hirnhautentzündung hervorgerufen durch die Meningokokken in die Schlagzeilen geraten.

Bei der Hirnhautentzündung kommt es zu einer Entzündung der weichen Häute, die das Gehirn ummanteln. Diese Entzündung bewirkt die typische schmerzhafte Genickstarre, dem sogenannten Meningismus. Die Erreger, die diese Erkrankung auslösen, sind vielfältig. In der Regel handelt es sich um Viren, die zwar für den Erkrankten die typischen unangenehmen Krankheitszeichen auslösen, aber diese Form der Meningitis heilt in der Regel nach einigen Tagen ohne große Folgen für den Patienten aus.

Anders verhält es sich bei den durch Bakterien ausgelösten Hirnhautentzündungen. Diese führen zu eitrigen Veränderungen im Gehirn und haben, wenn der Erkrankte Dank moderner Medikamente und Intensivmedizin überlebt, meist noch für das weitere Leben Folgen, wie eine Neigung zu Krampfanfällen oder bleibende Hörschäden. Unter diesen Bakterien gehören die Meningokokken zu den gefürchtetsten Erregern.

Meningokokken

Meningokokken sind kleine, in der sogenannten Gram-Färbung, sich rot färbende Bakterien, die sich in der bakteriologischen Untersuchung sich zumeist wie aneinander liegende Brötchen zu Paaren anordnen. Die genaue Bezeichnung für dies Erreger lautet Neisseria meningitidis.

Durch unterschiedliche Oberflächenstrukturen lassen sich die Meningokokken in verschiedene Stämme unterteilen. Die wichtigsten Stämme sind dabei durch die Buchstaben A, B und C gekennzeichnet. Bei häufigeren Erkrankungen im Frühjahr handelt es sich in Deutschland in nahezu 80 Prozent der Fälle um den Typ B.

Der einzige Wirt und damit die einzige Infektionsquelle ist der Mensch! Bei etwa fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung lassen sich in einem Rachenabstrich diese Bakterien nachweisen. Dabei sind diese Menschen nicht krank. Die Bakterien leben sozusagen als Haustiere im Rachen ihres Menschen, ohne diesen zu belasten. Warum nun einige Menschen durch die Meningokokken krank werden und warum andere mit ihnen friedlich vereint leben, ist noch ungeklärt. Wir wissen nur, dass der Mensch sich nur durch Erkrankte oder gesunde Keimträger infizieren kann.

In Deutschland ist diese Erkrankung meldepflichtig. Somit wissen wir, dass es zwischen 700 und 900 Patienten im Jahr mit einer Meningokokken-Erkrankung gibt. Diese Zahl ist, verglichen mit der Aufmerksamkeit in den Medien, nicht sehr hoch.

Ablauf der Erkrankung

Nach einer Inkubationszeit von zwei bis zehn Tagen nach Ansteckung durch Tröpfcheninfektion (Husten oder Niesen), kommt es häufig nach kurzen unspezifischen Symptomen wie bei einem grippalen Infekt, zu plötzlich heftigen Krankheitssymptomen. Die Patienten fühlen sich sehr krank, haben Kopfschmerzen und hohes Fieber. Sie klagen über Schwindel, Erbrechen und sind deutlich nackensteif (die Patienten können nicht mehr das Kinn auf die Brust legen bzw. sind nicht in der Lage, mit der Nase das Knie zu erreichen).

Bei fortgeschrittener Erkrankung zeigen die Erkrankten Auffälligkeiten des Nervensystems, wie Schläfrigkeit, Reizbarkeit, Krampfanfälle, Hirnnervenlähmungen oder fallen sogar ins Koma. Bei Säuglingen und Kleinkindern sind die Symptome oft weniger charakteristisch. Oft treten nur auffälliges Schreien verbunden mit Fieber und Erbrechen auf. Allen Patienten ist jedoch zu eigen, dass sie dem guten Beobachter als schwer erkrankt auffallen.

Bei zehn Prozent der Meningokokken-Erkrankungen kommt es aus unbekannten Gründen zu einem hochdramatischen und oft tödlichem Verlauf der Erkrankung. Wir sprechen dann von einer sogenannten Sepsis, das heißt, dass die Abwehr der Patienten von den Erregern in kürzester Zeit förmlich überrollt wird, und alle Organe von den Bakterien befallen werden. Bei diesen schwersten Erkrankungsfällen kommt es innerhalb weniger Stunden der Erkrankung zu schwersten Blutgerinnungsstörungen mit Thrombosebildung auf der einen und gleichzeitig unstillbarer Blutung auf der anderen Seite. Diese Menschen sind zumeist trotz moderner Intensivmedizin und schneller Diagnosestellung leider nicht zu retten.

Diagnose und Therapie

Die Verdachtsdiagnose wird klinisch gestellt, durch die Nackensteife der Patienten, verbunden mit hohem Fieber und wirklich schwerstem Krankheitsgefühl. Zur Bestätigung des Verdachts, wird eine Punktion von Rückenmarksflüssigkeit vorgenommen. Hier finden sich dann bei der Meningitis (Hirnhautentzündung) körpereigene Abwehrzellen und auch die Erreger lassen sich durch Färbung nachweisen.

Durch raschen Einsatz von hochdosierten Antibiotika läßt sich der Krankheitsverlauf heute in der Regel beherrschen. Zusätzlich werden auch intensivmedizinische Maßnahmen eingesetzt.

Bei engen Kontaktpersonen (Haushaltsmitglieder, engste Freunde und Intimpartner, Spielgruppenkinder, Bewohner von Internaten und Kasernen usw.) also bei allen Personen, die im Verdacht stehen, mit Rachensekret des Patienten in den letzten Tagen vor Erkrankung in Berührung gekommen zu sein, wird eine zwei Tage dauernde, vorbeugende Antibiotikagabe durchgeführt.

Impfschutz

Zur Zeit gibt es eine Impfung, die die Typen A und C der Meningokokken enthält. In einigen südlichen Ländern, in denen gehäuft diese Typen bei Erkrankungsausbrüchen auftreten, kann eine Impfung sinnvoll sein. In Deutschland wird die Meningitis leider zumeist durch den Typ B hervorgerufen, gegen den es keine Impfung gibt. Somit wird eine Meningokokken-Impfung in der Regel in Deutschland nicht empfohlen.

Als Familienmitglied eines Erkrankten kann ich mich durch die vorbeugende Antibiotika Einnahme schützen. Bei Reisen in die Hochrisikogebiete Afrikas (Sahel-Zone) ist eine Impfung dringend anzuraten. Bei Pilgerfahrten nach Mekka ist die Impfung zur Zeit Pflicht!

Ansonsten sollte man die Gefahr einer Erkrankung bei den oben genannten Zahlen nicht so hoch einschätzen. Hier verfallen oft die Patienten durch die gehäufte Berichterstattung in unnötige Panik.

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