Deutscher Allergie- und Asthmabund e.V.

Schriftliche Infos bei loser Ware Pflicht

Es ist vollbracht! Die neue EU Lebensmittel-Informationsverordnung (LMIV) wird nun doch am 13. Dezember 2014 in Deutschland umgesetzt. Dank des Einsatzes des Deutschen Allergie- und Asthmabundes sind viele wichtige Punkte für den Allergiker enthalten.

Noch vor wenigen Wochen schien es, dass die Bundesregierung einen negativen Alleingang startet und die für Nahrungsmittelallergiker wichtige Verordnung in Deutschland nicht durchbringt. Prominente Politiker wie die CSU-Bundestagsabgeorndete und Drogenbeauftragte der Merkel-Regierung, Marlene Mortier, sprachen sich unter grober Missachtung der Lebensumstände von Allergikern dafür aus, die schriftliche Allergenkennzeichnung fallen zu lassen. Dies scheint nun vom Tisch zu sein.

Klar geregelt. Schriftliche und mündliche Infos gibt´s jetzt beim Metzger, dem Bäcker, im Hotel und überall dort, wo "lose Ware" zum Verzehr kommt.

Klar geregelt – klar gekennzeichnet

Zur Lebensmittel-Informationsverordnung: Sie regelt, dass Allergiker nun auch in Restaurant, Hotel, Bäckerei, Fleischerei oder Gemeinschaftsverpflegung verpflichtend über die 14 häufigsten Allergieauslöser informiert werden müssen. Die Art und Weise, wie dies zu geschehen hat, kann jeder EU Mitgliedstaat national regeln. Nach dreijähriger Übergangsfrist muss die LMIV am 13. Dezember 2014 umgesetzt sein.

Der aktuelle deutsche Entwurf, der am 13. November 2014 veröffentlicht wurde, zeigt dass sich der jahrelange Einsatz des Deutschen Allergie- und Asthmabundes gelohnt hat, auch wenn es aus Sicht des DAAB noch einige Besserungen gäbe.

Positiv ist, dass jeder Allergiker das Recht darauf hat, eine schriftliche Allergen-Information zu einem Gericht oder Produkt zu erhalten. Die Informationsvermittlung kann dabei auf unterschiedlichen Wegen erfolgen: über Schilder, Kladden, einen Aushang, eine spezielle Speisekarte oder einen Infoterminal. Auch die mündliche Auskunft wird möglich sein, wenn eine schriftliche Dokumentation vorliegt. Das bedeutet, die Servicekraft kann mündlich über die Allergene in einem Brötchen informieren, muss aber auf Nachfrage des Allergikers eine schriftliche Dokumentation zur Verfügung stellen.

Mündliche Informationen sind oft fehlerhaft

Die jüngste Umfrage des DAAB zeigt die Relevanz schriftlicher Information: Mehr als 75 Prozent der befragten Allergiker hatten bislang mindestens einmal, meist jedoch mehrfach eine allergische Reaktion nach dem Verzehr loser Ware. Die häufigste Quelle für die falsche Allergeninformation war dabei die mündliche (falsche) Auskunft durch das Servicepersonal. Die sichersten Aussagen bekamen Allergiker, wenn schriftliches Informationsmaterial vorlag.
Auch eine aktuelle Umfrage des DAAB und der Berliner Charité unterstützt diese Ergebnisse. In über 150 Bäckereien wurde das Verkaufspersonal zum Verkauf loser Ware an Nahrungsmittel-Allergiker befragt. 84 Prozent des Verkaufspersonals gab an, dass sie Nahrungsmittelallergiker bei der Produktauswahl sicher beraten könnten. Die Berliner Charité analysierte daher Produkte, die das Verkaufspersonal als „Kuhmilchfrei“ empfahl, im Labor. Von den 73 vor Ort als „milchfrei“ gekauften Produkten enthielt jede fünfte Backware (!) eine für Kuhmilchallergiker so relevante Menge, dass sie eine möglicherweise schwere allergische Reaktion hervorrufen könnte.
Deshalb rät der DAAB jedem Lebensmittel-Allergiker, sich im Restaurant, Bäckerei, Metzgerei und Co. die schriftliche Information zu den Allergieauslösern zeigen zu lassen. Sollte diese nach dem 13. Dezember 2014 nicht vorliegen, können Allergiker so wie jeder Kunde dies beim DAAB melden.

Nachbessern norwendig

So schön dieser Erfolg auch ist, es bleibt ein Etappensieg . Denn mindestens fünf weitere Punkte bedürfen noch einer dringenden Verbesserung.

Deswegen fordert der Deutschen Allergie- und Asthmabund:

  1. Die zwingende Schulungsverpflichtung für Anbieter loser Ware und für das Servicepersonal. Ohne Schulung ist es fraglich, ob das komplexe Thema der Allergenkennzeichnung von den Herstellern loser Ware fachlich richtig umgesetzt werden kann.
  2. Die vorgesehene Kennzeichnungsmöglichkeit durch Fußnoten für Speisekarten und -pläne. Hier plädiert der DAAB für eine einheitliche Lösung mit vorgegebener Codierung. Ansonsten könnte der Verbraucher mit einer Vielzahl unterschiedlicher und fehleranfälliger Codierungs-Möglichkeiten konfrontiert sein.
  3. Die Regelung Allergene nicht explizit aufzuführen,wenn sie schon im Produktnamen vorkommen. Verbraucher könnten bei der Allergeninformation eines „Tofuburgers“, die lautet „enthält: Weizen, Sellerie“ aber „Soja“ nicht nennt, falsche Schlüsse ziehen.
  4. Die differenzierte Darstellung von glutenhaltigen Getreidesorten und den acht verschiedenen Schalenfrüchten. Für Allergiker ist es wichtig, zu wissen, ob etwa das Getreide Weizen oder Dinkel ist.
  5. Die Duchführungsverordnung sollte bei den Sanktionierungsmaßnahmen berücksichtigen, dass die Allergeninformation (im Vergleich zu vielen anderen Kennzeichnungsthemen) gesundheitsrelevant ist. Die Folgen einer falschen Allergenkennzeichnung sind ungleich gravierender, als etwa bei der Herkunftskennzeichnung.


Übrigens: Bei einer konsequenten Umsetzung und einer Vorreiterrolle Deutschlands in der EU hätten die fünf Punkte mit sehr wenig Aufwand in den aktuellen Entwurf integriert werden können.