Deutscher Allergie- und Asthmabund e.V.

Allergologie vor dem Aus? DAAB befürchtet Fehlversorgung von Allergikern

Durch einen aktuellen Beschluss des 121. Deutschen Ärztetages laufen Kinder und Erwachsene mit Allergien in Deutschland Gefahr, zukünftig keine adäquate qualitative Versorgung mehr zu erhalten.

Es soll reichen, die Bescheinigung eines weiterbildungsberechtigten Arztes vorzulegen, der die Kenntnis von Inhalten bestätigt. Der Praxiseinsatz bei erfahrenen ÄrztInnen wurde vom Deutschen Ärztetag gestrichen.

Für den Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB) eine untragbare Entscheidung.

Für die 25 Millionen Allergiker in Deutschland zeichnet sich seit Jahren eine Unterversorgung ab, da nur noch 1,5% der niedergelassenen Ärzte allergologische Leistungen anbieten. Die Patienten warten oft monatelang auf eine Diagnose oder auf therapeutische Hilfen. Doch anstatt die Ausbildung zum Allergologen attraktiver zu machen und zu fördern, wird die Zusatzbezeichnung Allergologie nun ausgehölt. Quantität statt Qualität ist für den DAAB jedoch nur ein Etikettenschwindel.

Allergien richtig zu erkennen und zu behandeln, ist aufgrund der vielfältigen möglichen Symptome und der mehr als 20.000 möglichen Auslöser oft Detektivarbeit.

Praxiserfahrung ist dabei unerlässlich, denn Allergien sind weit mehr als saisonale „Heuschnupfen“, auf den das Thema häufig reduziert und damit bagatellisiert wird.

Allergien umfassen auch das allergische chronische Asthma, das rund 50% aller Pollenallergiker betrifft. Sie beinhalten auch die Gefahr des potentiell tödlich verlaufenden Allergieschocks, der bei Nahrungsmitteln, Insektengift und Arzneimittelallergien auftreten kann. Und Allergien bedeuten auch eine evidente Einschränkung der Lebensqualität und Lebenszeit wenn eine nicht sachgemäße Diagnostik und Therapie vorliegt.

In der Diagnostik und Therapie von Kindern und Erwachsenen mit Allergien gibt es bereits jetzt massive Defizite, vor allem, wenn sie nicht in allergologisch-versierten Praxen behandelt werden. Dies zeigen sowohl Studien zur Versorgung von Allergiepatienten in Deutschland als auch  die Auswertung der jährlich über 30.000 Rückmeldungen  an den DAAB:

  • Viele Patienten mit einem Risiko für schwere allergische Reaktionen (Anaphylaxie),  erhalten kein Notfallset und leben so in der ständigen Angst vor dem nächsten Allergie-Schock.
  • Zur Behandlung eines Heuschnupfens (Pollenallergie) wird zunehmend wieder die bereits seit den 1990er Jahren veraltete Therapie der Cortison Depot-Spritzen eingesetzt.
  • Aufgrund unzureichend durchgeführter Allergietestungen – ohne einen Abgleich zur tatsächlichen klinischen Relevanz – werden Patienten in Therapien geleitet, die im Falle einer Nahrungsmittelallergie zu Essstörungen und Mangelernährung führen können.
  • Menschen mit einer Pollenallergie werden mit dem Verweis auf frei verkäufliche Arzneimittel in die Selbstmedikation gedrängt, was letztendlich zur steigenden Anzahl von Asthmapatienten führt.

Die Allergologie bedarf deutlich mehr an Fachkenntnis als einen Allergietest und dessen Auswertung.

Die drastische Reduzierung der Allergologischen Weiterbildung ist für den DAAB eine absolut falsche und gegenüber den Patienten verantwortungslose Entscheidung.

Zudem werden Allergiker zukünftig nicht mehr erkennen können, ob ein „Allergologe“ tatsächlich erfahren im Umgang mit schwer Betroffenen ist und nach dem bisherigen oder nach dem neuen System ausgebildet wurde.

Die Reduzierung der Weiterbildungszeit zugunsten niedrig-schwelliger Inhalte fördert darüber hinaus die seit Jahren grassierende Verharmlosung von Allergien.

Während in 22 europäischen Ländern eine dreijährige Ausbildung zum Allergologen vorgesehen ist, gilt für Deutschland eine qualifizierte Zusatzausbildung von derzeit 18 Monaten als ausreichend. Einen Facharzt für Allergologie, zuletzt in Frankreich, Slovenien, Estland eingeführt und in den meisten europäischen Ländern Standard, gibt es in Deutschland nicht.

Deutschland wird mit seiner „Bagatellisierungs-Politik“ im Bereich Allergologie mehr und mehr den Anschluss in Europa verlieren.

Der Deutsche Allergie- und Asthmabund protestiert daher entschieden gegen diese fatale Entwicklung in der Allergologie und fordert eine Rücknahme respektive Nicht-Umsetzung dieses Beschlusses des Deutschen Ärztetages.