close
DAAB - Deutscher Allergie- und Asthmabund e.V.
Suche search

Neue Studien Nahrungsmittelallergien & Ess-Störungen

 /  Sonja Lämmel

Eine Nahrungsmittelallergie hat einen massiven Einfluss auf die Lebensqualität von Betroffenen und deren Familien, wie in diversen Arbeiten der letzten Jahre gezeigt werden konnte. Auch im Rahmen des EuroPrevall-Projektes wurde die Lebensqualität von betroffenen Familien untersucht. Doch nur selten wurden bisher die Langzeitwirkungen einer Nahrungsmittelallergie hinsichtlich psychischer Erkrankungen untersucht. 2014 erschienen die Ergebnisse einer Studie, die aus Interviewdaten mit über 1420 Jugendlichen zwischen dem 10. und 16. Lebensjahr hervorgingen. Das Vorliegen einer Nahrungsmittelallergie war assoziiert mit Trennungsangst, generalisierter Angst, ADHS und Magersucht. Im Verlauf zeigten Jugendliche mit Nahrungsmittelallergien einen Anstieg von Symptomen im Bereich generalisierter Angst und Depression. Die Wahrscheinlichkeit psychiatrischer Störungen war dagegen nicht erhöht. Das Risiko für Ess-Störungen war bei fast allen Allergikern mit Unter- oder Übergewicht im Vergleich zu denen der Kontrollgruppe erhöht. Besonders ausgeprägt war es bei untergewichtigen Mehrfach-Allergikern. Doch auch Übergewicht war mit Ess-Störungen assoziiert. Als wichtigste Maßnahme, das Risiko für Ess-Störungen zu reduzieren, sehen die Autoren in einer Schulung und einer diätetischen Betreuung der Patienten.

Fazit greift zu kurz
Dieses Fazit ist auf jeden Fall zu unterstützen, trotzdem greift es zu kurz. Was in der Untersuchung ungenügend adressiert und hinterfragt wurde, ist die Notwendigkeit und das Ausmaß der Einschränkung durchgeführter Diäten. Die Beobachtung, dass Mehrfach-Allergien, die ausdrücklich keine pollenassoziierten Kreuzreaktionen umfassten, bei einem Einschluss-Alter von circa 6 Jahren, nach fünf Jahren deutlich angestiegen waren, ist in Kenntnis der Prognose frühkindlicher Nahrungsmittelallergien nicht plausibel. Insofern kommt der Ernährungsfachkraft neben der fachkundlichen Schulung und Betreuung der Patienten sicher auch die regelmäßige Überprüfung der Indikation für eine Diät als wichtige Aufgabe zu.