close
DAAB - Deutscher Allergie- und Asthmabund e.V.
Suche search

Schulbeginn Auch für allergiekranke Kinder

 /  Sonja Lämmel

Die Schule startet in den nächsten Tagen in vielen Bundesländern und mit ihr auch die Probleme allergie-, anaphylaktischer und asthmakranker Kinder. Jährlich werden circa 720.000 Kinder eingeschult. Jedes Dritte von ihnen leidet unter allergischen Erkrankungen. Alleine die Anzahl der Schulkinder mit schweren Lebensmittelallergien hat sich in den letzten 10 Jahren versiebenfacht. Im Schulalltag ergeben sich viele Probleme für die kleinen Allergiker. Ob Schulpausen, Klausurenzeit, Mittagsverpflegung oder Notfallbehandlung bei allergischen Symptomen. Allergien stellen Eltern, Schüler und Lehrer vor eine Herausforderung.

Neue Projekt des DAAB für Kita & Schule
Damit das gemeinsame Kochen und Essen in den Einrichtungen für die betroffenen Kinder vor allem mit Genuss und nicht der Sorge um die Zutaten verbunden ist, haben Ich kann kochen!, die Initiative für praktische Ernährungsbildung der Sarah Wiener Stiftung und der BARMER und der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB) eine Kooperation gestartet. Diese soll pädagogischen Fach- und Lehrkräften das notwendige Ernährungswissen vermitteln und sie durch Beratungsangebote unterstützen. Kern der Zusammenarbeit ist ein Einführungskurs zu Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten als E-Learning Tool, der allen Teilnehmenden der kostenfreien Ich kann kochen! - Fortbildungen und Mitgliedern des DAAB ab Herbst 2019 online zur Verfügung stehen wird. Der Kurs liefert den Pädagogen umfassende Informationen zur Entstehung von Lebensmittelallergien, weist auf die Risiken allergener Zutaten und Rezepte hin und gibt Tipps, wie Kinder nichtsdestotrotz an Kochprojekten teilnehmen können. Ergänzt wird das Angebot durch themenspezifische Webinare, die den Pädagogen auch Raum für Rückfragen aus ihrem Einrichtungsalltag geben. Zu diesem Zweck planen die Kooperationspartner außerdem eine eigene Beratungshotline. Schon jetzt wurden alle Trainer der Ernährungsinitiative Ich kann kochen!, die die Erzieher, Lehrer und Sozialpädagogen fit für das Kochen mit Kindern machen, vom DAAB geschult und können in den Fortbildungen praxistaugliche Hinweise und Ideen liefern.

 

Allergischer Notfall und bürokratischer Notstand
Aufgrund der Bildungshoheit der Länder gibt es in Deutschland keine einheitlichen rechtlichen Regelungen zur Medikamentengabe in Schulen. Eine aktuelle Umfrage des DAAB ergab: Zwölf Bundesländer haben eine rechtliche Regelung zur Medikamentengabe; sechs erwähnen darin den allergischen Notfall. Nur fünf Bundesländer stufen den Anaphylaxie-Autoinjektor (Notfallhilfe beim allergischen Schock) als Erste-Hilfe-Maßnahme ein; die anderen Bundesländer legen sich hierzu nicht fest. Nach Ansicht des DAAB ein unhaltbarer Zustand. Bei einem allergischen Notfall können lebensbedrohliche Symptome sehr schnell auftreten, so dass es unter Umständen nicht ausreicht, nur den Notarzt zu rufen. Es kann lebensrettend sein, die Notfallmedikamente schnell zu verabreichen. Der DAAB fordert hier ein einheitliches Vorgehen und klare Vorgaben vonseiten der Länder, damit sowohl Lehrer, als auch Eltern und Schüler einen sicheren Schulalltag leben können.

 

Kostenlose Webinare bieten Hilfe
„Eine oft geäußerte Sorge beim Betreuungspersonal besteht darin, einen möglichen anaphylaktischen Schock nicht richtig einschätzen und behandeln zu können“, so Sonja Lämmel Pressesprecherin des Deutschen Allergie- und Asthmabundes. Unsicherheit bereite hier vor allem die Gabe des Adrenalin-Autoinjektors, da das Medikament über eine Injektion verabreicht wird. Aus diesem Grund bietet der DAAB regelmäßig kostenfreie Webinare zu den unterschiedlichsten (auch rechtlichen) Themen der Anaphylaxie für Eltern sowie für Schul- und Kitapersonal an.

 

Weitere Probleme für Allergiker in unseren Schulen:

  • Zahlreiche Kinder mit Pollen-Allergie schreiben im Frühjahr die zeugnisrelevanten Klausuren. Da immer noch sehr viele von ihnen - aufgrund von Fehlberatung und Unwissenheit - veraltete Allergie-Medikamente einnehmen, sind Konzentrationsschwäche, Schlafstörungen und Müdigkeit ein großes Problem für sie.
  • Hochgradige Pollen-Allergiker werden in der Pause auf den Schulhof geschickt, weil es an Personal für die zusätzliche Aufsicht im Gebäude mangelt, oder aber der Schulsport wird nach draußen verlegt und aus der Bitte um Freistellung resultieren Klassenbucheinträge.
  • Asthmakranke Kinder werden aus Überbehütung der Eltern oder Angst vor zu großer Verantwortung von Seiten der Schule vom Schulsport ausgeschlossen. Dadurch werden die Kinder nicht nur zu Außenseitern gestempelt, sondern auch vom Sport abgehalten, obgleich gezielter Sport für Asthmakinder sehr wichtig ist, da er die Atemmuskulatur stärkt.
  • Kinder mit Lebensmittelallergien können mittags nicht sicher verpflegt werden und erleiden im schlimmsten Fall einen lebensbedrohlichen allergischen Schock, obwohl es allergikergerechte Verpflegungsmöglichkeiten gibt.
  • Die Gabe von Notfallmedikamenten ist nicht zufriedenstellend geregelt. Bei einem allergischen Notfall können lebensbedrohliche Symptome sehr schnell auftreten, so dass es unter Umständen nicht ausreicht, nur den Notarzt zu rufen. Es kann lebensrettend sein, die Notfallmedikamente schnell zu verabreichen. Leider sieht der Alltag anders aus und die Gabe der Notfallmedikamente wird durch das Schulpersonal oft abgelehnt.