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DAAB - Deutscher Allergie- und Asthmabund e.V.
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Sie fragen- Experten antworten Urtikaria und Lebensmittelallergien

 /  Marina Oppermann

Rund ein Viertel aller Deutschen hat bereits einmal eine Urtikaria erlebt, bei einem von zehn Erkrankten ist die Nesselsucht sogar chronisch. Expertinnen und Experten informierten dazu beim DAAB-Lesertelefon. Heute beleuchten wir den Aspekt, ob Nahrungsmittel eine Nesselsucht auslösen können.

Welche Bedeutung haben Allergien und Unverträglichkeiten als Auslöser einer Urtikaria?
Sibylle Plank: Bei der akuten Urtikaria im Erwachsenenalter stehen Infekte und Medikamente als Auslöser im Vordergrund; Lebensmittelallergien spielen hier mit einer Häufigkeit von unter einem Prozent eine geringere Rolle. Bei Säuglingen und Kleinkindern kann eine akute Urtikaria jedoch häufiger Folge einer Lebensmittelallergie sein kann. Nach dem reinen Hautkontakt mit Lebensmitteln kann sich übrigens auch eine Kontakt-Urtikaria ausbilden, von der besonders häufig Köche, Bäcker oder Fleischer betroffen sind. Bei der chronischen Urtikaria hingegen sind Nahrungsmittelallergien als Auslöser sehr unwahrscheinlich. Allerdings können bei einem Teil der Patienten so genannte Pseudoallergien die Beschwerden verstärken. Auslöser können dabei Lebensmittelzusatzstoffe wie Konservierungsstoffe sein, aber auch natürliche Inhaltsstoffe wie phenolische Säuren oder Alkohol. Etwa ein Drittel der Patienten mit einer chronisch spontan verlaufenden Urtikaria leidet unter einer Pseudoallergie.

In wie weit sind Darm und Mikrobiom an einer Urtikaria beteiligt?
Sibylle Plank: Grundsätzlich können Infekte oder entzündliche Prozesse eine chronische Urtikaria auslösen oder verstärken, also auch solche des Magen-Darm-Trakts. Hier ist vor allem die Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori zu nennen, aber auch chronisch-entzündliche Darmerkrankungen. Außerdem sitzen Mastzellen – die zentralen „Schaltzellen“ bei der Urtikaria – auch in der Darmschleimhaut, so dass einige Patienten im Rahmen ihrer Urtikaria neben Quaddeln und Schwellungen an der Haut auch mit Beschwerden wie Durchfall zu kämpfen haben. In wie weit das Mikrobiom, also die Mikroorganismen, die Haut und Schleimhäute des Menschen besiedeln, bei der Urtikaria eine Rolle spielen, ist noch weitgehend ungeklärt. Es gibt erste Anhaltspunkte für eine Reduktion antientzündlich und regulatorisch wirkender Darmbakterien bei Patienten mit chronischer Urtikaria. Um diese Zusammenhänge besser zu verstehen, sind weitere Studien notwendig.

Wir bedanken uns bei  Diplom-Oecotrophologin Sibylle Plank Ernährungswissenschaftlerin an der Vital Klinik, Fachklinik für Hauterkrankungen, Alzenau für die Unterstützung des Experten-Telefons.
Weitere Informationen zum Thema Urtikaria - Nesselsucht erhalten Sie als Mitglied des DAAB durch unser Beratungsteam.