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DAAB - Deutscher Allergie- und Asthmabund e.V.
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Ein Update COVID-19 Impfung & Allergien

Aktuell herrscht eine große Verunsicherung bei Allergikern in Bezug auf die neuen Impfstoffe für die COVID-19-Impfung. Der DAAB kommuniziert aktuell mit den ärztlichen Fachgesellschaften und den nationalen Behörden zu der Thematik möglicher allergischer Reaktionen durch den COVID-19-Impfstoff der Firmen BioNTech und PfizerBNT162b2. Bisher werden die wenigen einzelnen Vorfälle schwerwiegender allergischer Reaktionen weiterhin untersucht. In Verdacht steht der Inhaltsstoff Polyethylenglykol (PEG), der möglicherweise diese schweren allergischen Reaktionen ausgelöst haben kann. Dies muss aber noch durch weitere Untersuchungen bestätigt werden. Die deutschen allergologischen Fachgesellschaften AeDA, DGAKI, GPA nehmen hierzu Stellung.

Was ist passiert?

Am 09. Dezember 2020 informierte die britische Arzneimittelbehörde Medicines and Healthcare products Regulatory Agency (MHRA) über schwere allergische Reaktionen bei zwei Mitarbeitern des englischen Gesundheitssystems National Health Service (NHS) nach der Verabreichung des Pfizer Impfstoffs (BNT162b2) gegen COVID-19. Bei beiden Patienten waren in der Vorgeschichte Anaphylaxien beschrieben. Beide Personen erholten sich rasch von diesen schweren allergischen Reaktionen auf den Impfstoff.

Da nicht klar ist, auf welche Komponente des Impfstoffs sie reagierten, wurde eine Untersuchung eingeleitet, um die beiden Vorfälle und ihre Ursachen vollständig zu verstehen.

Die englische Fachinformation (SmPC) für den Impfstoff beinhaltet auch bereits den Hinweis auf eine Kontraindikation für die Verwendung bei Personen, die eine allergische Reaktion auf den Impfstoff oder einen der Bestandteile des Impfstoffs gezeigt haben.

Als Vorsichtsmaßnahme hat die MHRA eine vorläufige Anweisung an den NHS herausgegeben, grundsätzlich bei "Patienten mit schweren Allergien“ nicht zu impfen.

Allergische Reaktionen auf Impfstoffe

Allergische Reaktionen auf Impfstoffe sind sehr selten und treten bei 1 pro 1.000.000 bis zu 30 pro 100.000 Impfungen auf.

Welcher Auslöser wird bisher diskutiert?

Die Impfstoffe enthalten die sogenannte Messenger RNA und zusätzliche Lipid-Nanopartikel. Diese können aus mehreren Komponenten in unterschiedlichen Konzentrationen bestehen. Es wird bisher von einigen Experten vermutet, dass Personen auf einen Teil der Lipid-Nanopartikel reagieren, auf den Stoff Polyethylenglycol oder PEG. Es sollen keine Konservierungsstoffe enthalten sein.

Polyethylenglykol (PEG) wird aktuell als dasjenige Agens angesehen, das die schweren allergischen Reaktionen bei den 2 betroffenen Patienten in UK am wahrscheinlichsten ausgelöst hat. Sollte sich dies bestätigen, wäre es nur notwendig, Patienten mit bekannten allergischen Reaktionen auf PEG, PEG-Analoga und andere Zusatzstoffe von der Impfung mit BNT162b2 auszuschließen, nicht aber alle Patienten mit schweren allergischen Reaktionen in der Vorgeschichte, was den Kreis der potenziell impfbaren Personen deutlich erweitern würde.

Allgemeine Verträglichkeit

In der zulassungsrelevanten klinischen Phase-3-Studie wurde der Impfstoff BNT162b2 im Allgemeinen gut vertragen. Insgesamt wurden 43.548 Teilnehmer randomisiert, von denen 43.448 eine Injektion erhielten, 21.720 mit BNT162b2 und 21.728 mit Placebo. Das Auftreten allergischer Reaktion wurde in ähnlicher Anzahl sowohl in der Impfstoff-Gruppe mit 0,63% - als auch in der Placebogruppe mit 0,51 % berichtet.

Bewertung und Ausblick

Impfstoffe sind als eine der effektivsten Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheitsvorsorge anerkannt. Impfprogramme verfolgen als Hauptziel zwar den Schutz der geimpften Person, zielen aber auch auf den Schutz nicht geimpfter Personen, wodurch eine Herdenimmunität entsteht. Diese erfordert jedoch Impfquoten von > 60% der Gesamtbevölkerung.

Um eine wirksame Immunisierung von >95% mit BNT162b2 zu erreichen, ist eine zweite Impfung („booster“) notwendig. Diese wiederholte Gabe eines Fremdproteins (Antigens) macht eine sorgfältige allergologische Anamnese vor jeder Applikation und ggf. diagnostische Abklärung sowie Nutzen-Risiko-Abwägung vor jeder Injektion notwendig.

Vor diesem Hintergrund stellen die allergologischen Fachgesellschaften fest, dass,

  • Patienten und Menschen, die eine Impfung gegen COVID-19 erhalten sollen, regelhaft auch über mögliche schwere allergische/anaphylaktische Reaktionen aufgeklärt und hinsichtlich solcher Vorfälle in der Vergangenheit befragt werden müssen;
  • allergische Reaktionen auf Zusatzstoffe, insbesondere PEG und kreuzreaktive PEG Analoga systematisch abgefragt werden müssen, um Risikopatienten zu identifizieren
  • in Verdachtsfällen eine allergologische Abklärung (Haut-Pricktest, Labordiagnostik) und Vorstellung bei einem Allergologen durchgeführt werden sollte,
  • Personal, das eine Impfung gegen COVID-19 durchführt, immer auf die Möglichkeit schwerer allergischer/anaphylaktischer Reaktionen vorbereitet sein muss und Impfteams und Impfzentren die Behandlung von Anaphylaxien gemäß den Empfehlungen der AWMF-Leitlinie Anaphylaxie bekannt sein sollte,
  • es wichtig sein wird, die spezifische Ursache der zwei gemeldeten schweren allergischen Reaktionen und die medizinische Vorgeschichte der betroffenen Personen zu verstehen, damit etwaige Risiken von allergischen Reaktionen genauer definiert und möglichst umgangen werden können,
  • es wichtig sein wird, eine genauere Definition zu Art, Ursache und Schweregrad der schweren allergischen Reaktionen zu erzielen. Bei einer genaueren Definition (z.B. „Anaphylaxie-gefährdete Patienten“) ist nur von 1-3% der Bevölkerung auszugehen, bei denen eine Impfung nicht oder nur unter besonderen Schutzmaßnahmen möglich wäre.

Schwere allergische Reaktionen auf Impfstoffe sind selten. Patienten mit schweren allergischen Reaktionen in der Vorgeschichte können ggfls. unter adäquater Medikation und durch Ärzte mit Erfahrung in der Behandlung anaphylaktischer Reaktionen geimpft werden. Hierzu erwarten wir nach erfolgter Zulassung noch eine Einschätzung und Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO).

Die ausführliche Stellungnahme wurde veröffentlicht im AllergoJournal International 2020

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