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DAAB - Deutscher Allergie- und Asthmabund e.V.
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Biomarker bei Kindern: Allergien bald vorhersagbar?

 /  Marina Oppermann

Wie viel einfacher könnte es sein, wenn man genau wüsste, ob ein Kind eine allergische Erkrankung bekäme! Dann könnten sehr gezielt wirksame Präventionsmaßnahmen entwickelt werden. Das ist die Kernfrage, mit der sich eine Gruppe von Forschern beschäftigt. Heute berichtet die Studienkoordinatorin über die Hintergründe.

1. Prof. Schaub, welches Ziel verfolgen Sie mit dem Forschungsvorhaben?
Die Intention den Forschungsantrag zu stellen, basiert auf dem großen Bedarf, die Entstehung der verschiedenen allergischen Erkrankungen im Kindesalter besser zu verstehen. Wir möchten wissen, wann welche Erkrankung bei welchem Kind beginnt und wie lange sie andauern wird. Dafür untersuchen wir Einflussfaktoren verschiedener allergischer Erkrankungen (Nahrungsmittelallergien, Neurodermitis, Asthma, Heuschnupfen) von Geburt an bis zum Eintritt ins Erwachsenenalter. Dabei möchten wir lernen, was die Kinder mit allergischen Erkrankungen von denen ohne unterscheidet und auch, warum ein und dieselbe Erkrankung bei einem Individuum nach beispielsweise 5Jahren wieder abklingt (Remission), bei einem anderen aber nicht. Für eine individuelle Vorhersagbarkeit hoffen wir, geeignete Biomarker zu finden.
Zudem sollen milde und schwerere Verläufe allergischer Erkrankungen vorhergesagt werden. Durch die Entwicklung eines molekularen Allergiescores soll ermöglicht werden, dass das Allergierisiko bereits in früher Kindheit definiert wird und eine personalisierte Behandlung erfolgen kann.

2. Wie soll die Einschätzung der Allergieentwicklung erfolgen?
Die Allergieentwicklung wird zum einen klinisch mit standardisierten Fragebögen und Testverfahren untersucht. Dies wird für die jeweilige Erkrankung nach den aktuellen Leitlinien vorgenommen.
Im Forschungsprojekt möchten wir so genannte Biomarker identifizieren, die einen frühen Beginn, den weiteren Verlauf sowie das Abklingender verschiedenen allergischen Erkrankungen vorhersagen können. Ein Biomarker wird definiert als charakteristisches biologisches Merkmal, das objektiv gemessen werden kann und das einen möglicherweise krankhaften Prozess anzeigen kann.
Es gibt eine Reihe von möglichen Biomarker, die wir in CHAMP untersuchen, u.a. Gene und deren Genprodukte oder bestimmte Moleküle. Einzeln oder in Kombination möchten wir hiermit vorhersagen, welches Kind ein niedriges, mittleres und hohes Risiko hat, eine allergische Erkrankung zu bekommen.

3. Wie schätzen Sie die Entwicklung allergischer Erkrankungen im Kindesalter ein? Welche Trends sehen Sie?
Die Häufigkeit allergischer Erkrankungen hat in den verschiedenen europäischen Ländern und auch in Deutschland in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen. In einigen europäischen Ländern ist derzeit ein Plateau zu sehen und wird als Stabilisierung auf hohem Niveau interpretiert. Auch in der 2. Welle der deutschen KIGGS-Studie, die von 2014-2017 die Häufigkeit allergischer Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen in Deutschland untersucht hat, ist ein Plateau auf hohem Niveau zu verzeichnen. Mehr als 16% der Kinder haben in dieser Studie eine von drei allergischen Erkrankungen (atopische Dermatitis, Asthma, Heuschnupfen). Wichtig ist, jedes einzelne Krankheitsbild im Detail zu untersuchen und auch das Auftreten von mehreren allergischen Erkrankungen im Verlauf zu erfassen. Für eine Prävention ist es notwendig zu verstehen, ob eine der Erkrankungen als Risiko für eine weitere allergische Erkrankung zu sehen ist und ggf. durch mögliche Biomarker vorhergesagt werden kann.

4. Ein Teilprojekt befasst sich mit der Lebensqualität der Eltern bzw. der betroffenen Kinder. Gibt es bereits Erkenntnisse, ob und wenn ja, wie sich allergische Erkrankungen auf die Lebensqualität auswirken? Stellen bestimmte allergische Erkrankungen einen Risikofaktor für eine schlechtere Lebensqualität dar?
Dieses Teilprojekt ist ganz besonders wichtig. Es gibt bereits erste vorläufige Ergebnisse aus CHAMP, dass Kinder mit allergischen Erkrankung mehr Probleme im Alltag, im sozialen Bereich und auch emotional haben. Hierzu finden derzeit weitere Auswertungen in größerer Fallzahl und auch in den Untergruppen der einzelnen allergischen Erkrankungen statt, die wir abwarten möchten, bis wir finale Aussagen treffen können.  

Weitere Details zu den einzelnen Projektpartnern finden Sie hier. Lesen Sie nach, welche Ziele das Team von Prof. Kirsten Beyer der Berliner Charité verfolgt.

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