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Cortisonspray gegen Covid? Stellungnahme von Ärzteverbänden

 /  Marina Oppermann

Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), die Österreichische Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) und die Deutsche Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie (DGAKI) weisen darauf hin, dass sich aus der viel zitierten Studie aus Großbritannien noch keine generelle Empfehlung für eine Therapie für Patienten mit COVID-19 ableiten lässt.

Die STOIC-Studie aus Großbritannien hat große mediale Aufmerksamkeit erfahren (Der DAAB berichtete). Die Studie hatte von positiven Effekten von inhalativem Budesonid (Cortisonspray) bei Patienten mit COVID-19 in einem frühen Krankheitsstadium berichtet.
In ihrer Stellungnahme weisen DGP, ÖGP und DGAKI darauf hin, dass die STOIC-Studie lediglich Hypothesen generierend ist und dass sich aus dieser Studie noch keine generelle Empfehlung für eine Therapie mit inhalativen Glukokortikoiden in der geprüften Dosis für Patienten mit COVID-19 ableiten lässt.

Hierfür gibt es mehrere Gründe:­

  • Nichtverblindete Studie: Es handelte sich um eine nicht verblindete Studie, d.h. die Patienten und die behandelnden Ärzte wussten, ob das Cortison inhaliert wurde oder nicht. Ein möglicher Placebo-Effekt blieb hier also unberücksichtigt.­
  • Geringe Patientenzahl: Es handelte sich um eine Studie mit vergleichsweise wenigen Patienten (je 73 Patienten in beiden Gruppen).
  • Subjektive Endpunkte: Sowohl der primäre Endpunkt (COVID-19-bedingte ärztliche Vorstellung) als auch die sekundären Endpunkte der Studie (z.B. die Zeit bis zur von den Patienten empfundenen klinischen Besserung oder der Bedarf an fiebersenkenden Medikamenten) sind subjektiv geprägt, und damit anfällig für den oben genannten Placebo-Effekt (es ist z.B. möglich, dass Budesonid-behandelte Patienten im Vertrauen auf eine Wirkung ärztliche Hilfe seltener oder später aufsuchten).
  • ­Hohe ICS-Dosis (Inhalative Glukokortikoide): Die in der Studie gewählte inhalative Cortison-Dosis (1600 μg Budesonid pro Tag) entspricht einer Höchstdosis (Wirkstoff Budesonid) für Patienten mit Asthma. Sowohl in der Asthma-Therapie als auch in der COPD-Therapie sind bei der übergroßen Mehrheit der Patienten viel niedrigere Dosen sehr effektiv. Es lässt sich daher aus der Studie nicht ableiten, ob wirklich so hohe ICS-Dosen (die zu erheblichen Nebenwirkungen führen können) im Rahmen einer COVID-19-Behandlung eingesetzt werden sollten.­
  • Unklare Relevanz für schwere COVID-19-Verläufe: Im besten Falle gibt diese Studie Hinweise, dass die Zeit bis zur klinischen Besserung durch eine ICS-Therapie bei milden bis mittelschweren Verläufen möglicherweise verkürzt werden kann: ein ähnliches Ergebnis erbrachte eine Interims-Analyse der größeren PRINCIPLE-Studie (MedRxiv-Preprint abrufbar unter https://doi.org/10.1101/2021.04.10.21254672. Weder die STOIC-Studie noch die PRINCIPLE-Studie haben aber gezeigt, dass durch diese Therapie schwere COVID-19-Verläufe oder Todesfälle verhindert werden können. Die Kommentatoren der STOIC-Studie in der Zeitschrift Lancet Respiratory Medicine fordern daher explizit diesbezügliche Studien.

DGP, ÖGP und DGAKI weisen darauf hin, dass weitere, größere, verblindete, Placebo-kontrollierte Studien mit unterschiedlichen inhalativen Glukokortikoid-Dosierungen benötigt werden, um mögliche Effekte bei COVID-19 zu bestätigen. Es ist auf Basis der STOIC-Studie nicht möglich, eine allgemeine Behandlung mit inhalativen Glukokortikoiden von Patienten mit COVID-19 zu empfehlen.

Es wird jedoch ausdrücklich empfohlen, eine bestehende inhalative Glukokortikoid -Dauertherapie bei Patienten mit Asthma oder COPD während der aktuellen SARS-CoV-2-Pandemie und im Rahmen von COVID-19 fortzuführen. Auch aus Sicht der Versorgungssicherheit von Patienten mit Asthma und COPD ist von einer breiten Off-label-Behandlung (ICS-haltige Präparate sind für die COVID-19-Therapie nicht zugelassen) oder gar einer Selbstmedikation abzuraten.

Modifiziert nach https://pneumologie.de/fileadmin/user_upload/COVID-19/20210419_DGP_OEGP_DGAKI__C19_und_ICS__STOIC-Studie.pdf

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