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Atemwegserkrankung durch RSV-Infektion

Aktuell Atemwegserkrankung durch RSV-Infektion

 /  Tina Christiansen

Momentan sind die Aufnahmekapazitäten an Kinderkliniken in Deutschland stark ausgeschöpft und Intensivbetten sind knapp. Dazu tragen sogenannte RSV-Infektionen bei, die besonders bei jüngeren Kindern zu schweren Atemwegsinfektionen führen können und aktuell sehr stark vertreten sind. Wir berichten über Risiken und Schutz.

Infektionen durch das sogenannte Respiratorische Synzytial-Virus werden vereinfacht auch als RSV-Infektionen bezeichnet. Es ist der häufigste nachgewiesene Erreger von Erkrankungen der unteren Atemwege in den ersten beiden Lebensjahren. Ein besonders hohes Risiko für diese Infektionen haben Frühgeborene, aber auch Kinder mit chronischen Lungenerkrankungen.

Risikofaktoren für eine schwere RSV-Infektion

Nach der ärztlichen Leitlinie zu RSV-Infektionen gehören zu den Risikofaktoren für eine schwer verlaufende RSV-Infektion unter anderem: 

  • Alter unter 6 Monaten
  • Mehrlingsgeburt
  • Männliches Geschlecht
  • Geschwisterkinder im Kleinkindalter
  • KiTa-Besuch
  • Rauchexposition durch Eltern und im Haushalt
  • Eine positive Familienanamnese für atopische Erkrankungen oder Asthma.

Risikokinder besser schützen

Zum besseren Schutz von Risikokindern können zusätzliche Maßnahmen erfolgen:

  • Sorgfältige Händehygiene von allen Kontaktpersonen
  • In der Umgebung von Kindern nicht rauchen
  • Stillen im Säuglingsalter 
  • Größere Personenansammlungen vermeiden, wenn möglich auch in Kinderkrippen

Vorsicht bei kleinen Kindern und Frühgeborenen 

Frühgeborene im Alter von unter oder bis zu 2 Jahren, die in den letzten drei Monaten vor Beginn der RSV-Saison (normalerweise Beginn frühestens Anfang November) mit Sauerstoff behandelt oder beatmet wurden, haben ein hohes Risiko, eine schwere RSV-Erkrankung (z. B. mit Krankenhauseinweisung) zu erleiden. 
Eine sogenannte RSV-Bronchiolitis (Atemwegsinfektion durch RS-Viren) wird besonders bei Kindern im 1. Lebensjahr gesehen. Ältere Kinder zeigen eher eine obstruktive Bronchitis. Bei Säuglingen in den ersten 6 Monaten und Frühgeborenen kann sich diese Infektion in erster Linie durch Aussetzer bei der Atmung (Apnoen) zeigen.  Dies wird durch die Kleinheit der Atemwege verursacht.  Die Erhöhung der Atemtiefe ist nur begrenzt möglich, die Atemmuskulatur kann ermüden und das Atemzentrum ist vor allem bei Frühgeborenen noch nicht so gut ausgebildet.

Aufholeffekt löst RSV-Welle aus

In diesem Jahr gibt es einen ungewöhnlich starken Anstieg an RSV-Infektionen. Diskutiert wird der Aufholeffekt. Die Einschränkungen der Pandemie haben für weniger Infektionskrankheiten gesorgt und jetzt erkranken daher mehr Kinder gleichzeitig. Zudem geschieht die Welle zu einem Zeitpunkt, zu der auch weitere Krankheitserreger wie z. B. Grippeviren unterwegs sind.

RSV-Infektionen sind in jedem Lebensalter möglich 

RSV kann in jedem Lebensalter Atemwegserkrankungen hervorrufen. Die meisten RSV-Infektionen verlaufen unkompliziert mit einer Infektion der oberen Atemwege.  Das größte Risiko für schwere Verläufe besteht jedoch in den ersten beiden Lebensjahren. Bis zum Ende des zweiten Lebensjahres haben nahezu alle Kinder mindestens eine RSV-Infektion durchgemacht. Etwa zwei Prozent dieser Kinder werden wegen einer RSV-Infektion im Krankenhaus behandelt. Es gibt verschiedene RS-Virus-Typen. Daher können auch bereits infizierte Personen erneut erkranken. 

Vorsicht bei Patienten mit bekannter Grunderkrankung der Lunge

Ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf bei einer RSV-Infektion besteht auch bei Kindern mit bestimmten Lungenerkrankungen. Bei Kindern mit einer chronischen Lungenerkrankung (z. B. interstitieller Lungenerkrankung, zystischer Fibrose, angeborenen Atemwegsanomalien), angeborenen Herzerkrankungen, neuromuskulären Erkrankungen, schweren Immundefekten, immunsuppressiver Therapie und chromosomalen Abweichungen wie der Trisomie 21 soll daher ein schwerer Verlauf einer RSV-Erkrankung in Betracht gezogen werden.

Erwachsene bemerken die eigene Infektion häufig nicht

Erwachsene können sich auch infizieren. Meist wird die Infektion aber gar nicht bemerkt. Sie kann aber an die Kinder weitergegeben werden, die sich dann anstecken. Ältere Kinder zeigen mehrheitlich keine starken Symptome, häufig zeigt sich nur ein Schnupfen und die Infektion macht keine Probleme. Anders ist dies aber bei sehr kleinen Kindern. Hier können sich die noch nicht so gut ausgebildeten Atemwege verengen und anschwellen. Es kommt zu Beschwerden wie:

  • Kurzatmigkeit 
  • Schlappheit
  • fehlendem Spieltrieb oder
  • der Verweigerung des Trinkens und in schweren Fällen zu 
  • akuter Atemnot

Treten erste Symptome auf, sollte die kinderärztliche Praxis aufgesucht werden. Tritt zu Hause akute Atemnot auf, raten Ärzte den Eltern, den Notarzt zu rufen. 

Hände waschen – Menschenansammlungen vermeiden

RS-Viren können auch durch Schmierinfektionen übertragen werden. Daher ist besonders auch das regelmäßige Händewaschen wichtig. Sind Risikokinder in der Familie, sollten Hygienemaßnahmen besonders beachtet und Veranstaltungen mit vielen Menschen besser gemieden werden.  
Das Robert-Koch-Institut weist darauf hin: 

„Eine gänzliche Vermeidung von RSV-Infektionen im Alltag ist schwierig. Das Einhalten von Hygieneregeln im öffentlichen Leben und innerhalb der Familie kann die Ausbreitung von RSV-Infektionen minimieren. Hierzu gehören regelmäßiges Händewaschen, hygienisches Husten und Niesen sowie die Reinigung eventuell kontaminierter Gegenstände wie Kinderspielzeug (eine Übersicht bietet www.wir-gegen-viren.de). Während der Ansteckungsfähigkeit sollten Patienten Gemeinschaftseinrichtungen, insbesondere Krabbelgruppen, nicht besuchen, auch wenn kein explizites Besuchsverbot für Gemeinschaftseinrichtungen gemäß Infektionsschutzgesetz (IfSG) § 34 Abs. 1 und 3 besteht.“

Therapie

Es soll eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr erfolgen, damit das anfallende Sekret mobilisiert werden kann. Der Nasenrachenraum wird mit NaCl-Nasenspülungen oder –tropfen freigehalten. In schwereren Fällen können Sauerstoffgaben, eine Atemunterstützung mit Atemmaske oder Intubation und Beatmung erforderlich sein. Atemnot kann durch Bronchien erweiternde Medikamenten gelindert werden. Hierzu wird auch Adrenalin eingesetzt. Bei Atemaussetzern ist eine stationäre Überwachung wichtig. Cortison zur Inhalation ist nicht wirksam. Eine systemische Cortisongabe kann zur Verringerung der Akutsymptome und deren Dauer beitragen. Antibiotika werden nur gegeben, wenn eine zusätzliche bakterielle Infektion vorliegt.  


Für diese Recherche zu RSV-Infektionen haben wir uns mithilfe der ärztlichen Leitlinie zur RSV-Infektion sowie Informationen des Robert-Koch-Institutes und weiteren aktuellen ärztlichen Statements informiert.

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