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Heuschnupfen: Aktuelle Polleninformation

Heuschnupfen Aktuelle Polleninformation

 /  Tina Christiansen

Die Pollensaison beginnt immer zeitiger im Jahr. Milde Temperaturen sorgten für erste blühende Allergieauslöser. Die ersten Haselnusspollen und Pollen der Purpurerle sind bereits in der Luft. Wir berichten über erste Hilfemaßnahmen und informieren über die Erstattung von Medikamenten. 

Pollensaison beginnt

Zum Jahreswechsel lagen ungewöhnlich milde Temperaturen vor. Die Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst (PID) teilte aktuell mit, dass dadurch im Südwesten des Landes innerhalb kurzer Zeit hohe Haselpollenkonzentrationen von über 100 Pollen pro Kubikmeter Luft erreicht wurden. Dieser Anstieg geschah so früh wie nie zuvor soweit die Messreihen zurückreichen. Seitdem soll sich die Haselblüte sehr schnell auch in die meisten anderen Landesteile ausgeweitet haben. Die Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst (PID) meldet für die kommenden Tage: Geringe Pollenbelastungen können im gesamten Bundesgebiet auftreten. An Tagen ohne Niederschlag und mit Sonnenunterstützung können die Belastungen intensiver ausfallen und auch zeitweise ein mittleres Niveau erreichen. Hohe Pollenbelastungen sind lokal und kurzzeitig ebenfalls nicht auszuschließen.
In Regionen mit starken Windbelastungen können Pollen stärker durch die Luft verbreitet werden. In der nächsten Woche kann es zu winterlichen Temperaturen und besonders in höheren Lagen zu Schneefall kommen. Bei dieser Wetterlage setzt die weitere Entwicklung der Vegetation und auch der Pollenflug aus. Wird es wieder milder, geht die Pollensaison weiter.

Allergische Reaktionen sind vielfältig

Nach dem ersten Kontakt mit einem möglichen Allergieauslöser wie Haselnusspollen bilden sich sogenannte spezifische Immunglobulin E (IgE)-Antikörper aus. Diese IgE-Antikörper binden unter anderem an Oberflächen sogenannter Mastzellen. Bei erneutem Allergenkontakt docken die Allergene an diese IgE-Antikörper an. Die Mastzellen schütten dann Gewebehormone aus. Dazu gehört vor allem das Histamin, das als Botenstoff den Großteil der allergischen Reaktion veranlasst. Es kommt zur Erweiterung der Blutgefäße und Erhöhung der Gefäßdurchlässigkeit, gefolgt von spürbaren allergischen Entzündungsreaktionen wie Niesattacken, entzündete Nasenschleimhäute, Tränenfluss, Juckreiz oder Entzündungen an der Bronchialschleimhaut. Bei Pollenallergien können verschiedene allergische Beschwerden an unterschiedlichen Organen auftreten. Am Auge, an der Nase, an der Haut oder bei einem allergischen Asthma auch an der Lunge. Bei Heuschnupfen-Patienten schwillt die Nasenschleimhaut an, die Nase läuft, die Augen tränen und röten sich. Es besteht auch das Risiko, ein allergisches Asthma zu entwickeln. Die Ausprägung der allergischen Beschwerden kann unterschiedlich stark sein. Eine gute medizinische Behandlung ist wichtig, um die Beschwerden zu lindern. Man hofft zudem, so das Risiko für ein allergisches Asthma zu senken.  

Erste Hilfe bieten Antihistaminika 

Zur Beschwerdelinderung werden sogenannte Antihistaminika verwendet. Das sind antiallergische Medikamente, die die akuten allergischen Beschwerden schnell lindern. Antihistaminika-Präparate wirken in Form von Tabletten, Nasensprays, Augentropfen, Sirup, Gels oder Salben, der vermehrten Histaminausschüttung entgegen. Sie blockieren die Histamin-Rezeptoren im Gewebe. Das führt zur schnellen Reduzierung der allergischen Symptome. Sie werden bei einem Heuschupfen vor allem bei Beschwerden an Augen und Nase eingesetzt und wirken in der Regel nach etwa 15 bis 20 Minuten.

Antihistaminika-Erstattung

Apothekenpflichtige, nicht verschreibungspflichtige (rezeptfreie) Antihistaminika werden von den Krankenkassen bei Kindern bis zum zwölften Lebensjahr und bei Jugendlichen mit Entwicklungsstörungen bis zum achtzehnten Lebensjahr erstattet. Darüber hinaus sind sie in Ausnahmefällen erstattungsfähig.

  • Notfallsets zur Behandlung bei Insektengiftallergie (Bienen-, Wespen-, Hornissen, Hummeln)
  • Schwere, wiederholt auftretende Nesselsucht (Urtikaria)
  • Schwerwiegender, anhaltender Juckreiz der Haut (Pruritus)
  • Schwerer anhaltender allergischer Schnupfen (Allergische Rhinitis), wenn eine Behandlung mit kortisonhaltigen Nasensprays allein nicht ausreichend ist. 

Verschreibungspflichtige Antihistaminika können von Ärzten weiterhin verordnet werden, wenn sie das Wirtschaftlichkeitsgebot beachten und die Verordnung als notwendig einstufen. Beispielsweise, wenn der Patient mit einem verschreibungspflichtigen Antihistaminikum gut therapiert werden kann und dies mit rezeptfreien Antihistaminika nicht erreicht wird. 

Cortison-Nasenspray

In Fällen, in denen die Behandlung der Beschwerden mithilfe von Antihistaminika nicht ausreicht, können antientzündliche Cortison-Wirkstoffe oder Kombinationen von Antihistaminika- und Cortison-Wirkstoffen notwendig werden. Frei verkäufliche niedrig dosierte Cortison-Nasensprays sind nur zugelassen „zur symptomatischen Behandlung einer saisonalen allergischen Rhinitis bei Erwachsenen“. Die Erstdiagnose muss durch einen Arzt erfolgt sein, zudem müssen die dafür zugelassenen Tageshöchstmengen eingehalten werden. Wenn die frei verkäuflichen Cortison-Nasensprays nicht ausreichen oder nicht vertragen werden, kann ärztlicherseits auf andere verschreibungspflichtige Cortison-Nasensprays zurückgegriffen wer¬den. 
Für andere Anwendungsgebiete wie etwa ganzjährige bzw. langanhaltende allergische Beschwerden sind verschreibungspflichtige Cortison-Nasensprays weiterhin verordnungsfähig, wenn sie für diesen Anwendungsbereich zugelassen sind. Für Kinder und Jugendliche sind die frei verkäuflichen Varianten nicht zugelassen, hier müssen cortisonhaltige Nasensprays immer verordnet werden. 

Hyposensibilisierung sorgt langfristig für Linderung

Eine Hyposensibilisierung wird zur langfristigen Behandlung allergischer Erkrankungen angewendet. Dabei handelt es sich um die einzige Behandlungsmethode, die an der Ursache der Allergie ansetzt. Die Patienten und Patientinnen werden mit ihrem jeweiligen Allergieauslöser konfrontiert, damit sie sich an ihn gewöhnen. Es handelt sich nicht um eine Depotspritzentherapie mit Cortison, deren Anwendung aufgrund zu erwartender Nebenwirkungen bei regelmäßiger Anwendung nicht mehr empfohlen wird.  Bei  der Hyposensibilsierung erfolgt zunächst eine gute Allergie-Diagnostik, damit auch der richtige Allergieauslöser gefunden und entschieden werden kann, ob eine Hyposensibilisierung erfolgen kann. Die Behandlung wird in der Regel über drei Jahre und ab einem Alter von fünf bzw. sechs Jahren durchgeführt. Es müssen für den jeweiligen Auslöser entsprechend wirksame Therapiepräparate zur Verfügung stehen. Es gibt unterschiedliche Therapieformen wie z. B. Spritzen-, Tabletten und Tropfenpräparate. Die Therapie startet außerhalb bzw. vor der individuellen Pollensaison. Die Kosten werden in der Regel von den Krankenkassen übernommen. 

Therapieziele

  • Gute Linderung der Allergiebeschwerden
  • Senkung des Medikamentenverbrauchs
  • Senkung des Risikos für die Entwicklung eines allergischen Asthma bronchiale
  • Gegebenenfalls zur Beschwerdelinderung bei gut kontrolliertem allergischen Asthma. 

Hyposensibilisierung: Bleiben Sie treu!

Sehr wichtig ist Ihre Therapietreue. Nur wenn Sie die Therapie nach Empfehlung des Arztes regelmäßig durchführen und diese nicht vorzeitig abbrechen, können Sie auch einen guten Erfolg erwarten. Sporadische Behandlungen helfen nicht und beeinträchtigen die Sicherheit der Therapie, da sich Ihr Körper nicht ausreichend an den Allergieauslöser gewöhnen kann. 

Lesen Sie hier wichtige Therapie-Informationen: https://www.daab.de/allergien/wichtig-zu-wissen/behandlung/allergietherapie/ 
 

 

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