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DAAB - Deutscher Allergie- und Asthmabund e.V.
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Wirkung der Duftstoffe

Als leichtflüchtige Substanzen werden Duftstoffe beim Einatmen auf- und wahrgenommen. Im Nasen-Rachen-Bereich docken die Duftmoleküle an bestimmte Riechrezeptoren der Riechschleimhaut an. Damit lösen sie Nervenimpulse aus, die als Information des Duftstoffs an das Gehirn (limbisches System) weitergeleitet werden und dort bestimmte emotionale Reaktionen, positive oder negative Gefühle, Stimmungen oder Erinnerungen auslösen.

Der menschliche Geruchssinn ist in der Lage, mehrere tausend Gerüche zu differenzieren. Allerdings können hohe Geruchskonzentrationen über eine längere Einwirkdauer zum Abstumpfen dieser Wahrnehmung führen. Auf diesen Effekt ist das abnehmende Wahrnehmen des täglich verwendeten Parfüms zurückzuführen. Was oft dazu führt, dass die Menge des Parfüms erhöht wird – zum Leid der Mitmenschen, die der hohen Konzentration der Parfüms ausgesetzt sind.

Duftstoffe wirken bereits in sehr geringen Konzentrationen. Um als Duft wahrgenommen zu werden, müssen circa vierzig Rezeptoren stimuliert werden. Aber auch eine geringere Anzahl der Duftstoffmoleküle wird vom Gehirn registriert, in diesem Fall ohne bewusstes Riechen. Experten sprechen von olfaktorischer Wirkung unter der Wahrnehmungsgrenze – ein für viele Marketingforscher spannender Bereich, in dem Wirkung ohne Wahrnehmung erzielt werden kann.

Kritisch jedoch, wenn stark sensibilisierte Beschwerden merken, die sie aufgrund der fehlenden „Riechwahrnehmung“ nicht mehr zuordnen können.

Aus jahrelangen Erfahrungen mit Duftstoffen werden bestimmten Duftstoffkompositionen spezielle Effekte beziehungsweise Wirkungen zugeschrieben: Orangen- und Zitrusdüfte wirken anregend und konzentrationsfördernd, Lavendelduft kann entspannend und beruhigend wirken. Damit ist ein gezielter Einsatz von Duftmischungen, um bestimmte Situationen oder Stimmungen der Menschen zu steuern, inzwischen Realität. Wichtig in diesem Zusammenhang ist auch, dass höhere Konzentrationen von Duftstoffen eine Stressreaktion hervorrufen können.

Kinder und Jugendliche mit Duftstoffen belastet

2020 veröffentlichte Teil-Ergebnisse der Deutschen Umweltstudie GerES V zeigen, dass alle Kinder und Jugendliche, die im Rahmen des Umwelt-Surveys 2014 bis 2017 untersucht wurden, mit dem allergenen Duftstoff Lilial belastet waren. Die Wissenschaftler haben im Urin der 3- bis 17-jährigen Probanden bis zu vier Metabolite des Duftstoffs nachgewiesen. Lilial ist ein synthetischer Duftstoff, welcher nicht nur allergieauslösende Eigenschaften hat, sondern auch im Verdacht steht, reproduktionstoxisch zu sein und den Hormonhaushalt der Kinder und Jugendlichen zu stören. Lilial wird häufig in Kosmetika, Waschmitteln, Weichspülern, in Lufterfrischern und weiteren Raumbeduftungsprodukten eingesetzt und kann über die Haut sowie über die Atemwege in den Körper aufgenommen werden. Mädchen hatten höhere Konzentrationen der Lilial-Metabolite im Urin als Jungen. Die Belastung der Kinder und Jugendlichen korrelierte mit der Verwendungshäufigkeit von Parfüms, bedufteten Kosmetika, Weichspülern und Raumbeduftungsprodukten im Alltag.

Einfluss der Beduftung auf Innenraumluftqualität

Ätherische Öle und weitere Duftzubereitungen sind beliebte Mittel, um die Atmosphäre in Innenräumen zu verbessern. Bei der Verwendung wird oft vergessen, dass sie nur eine sensorische Geruchswahrnehmung bewirken, den bestehende Geruch also überdecken. Faktisch aber wird die Raumluft mit flüchtigen Chemikalien zusätzlich belastet. Hinzu kommt, dass einige Duftstoffe für die Gesundheit und die Umwelt nicht unbedenklich sind. Viele der ätherischen Öle und auch der synthetischen Duftstoffe können für Haut, Augen und Schleimhäute reizend sein. Sie können auch allergische Hautreaktion hervorrufen. Einige Duftstoffe – wie bestimmte Moschusverbindungen – sind langlebig und können sich in der Umwelt und im menschlichen Körper anreichern.

Achtung! Vorsicht bei Duftkerzen

Gerade in kälteren Jahreszeiten erfreuen sich Kerzen und hier insbesondere Duftkerzen einer großen Beliebtheit. Der Kerzenschein, das flackernde Licht und auch der verströmende Duft sollen eine gemütliche Raumatmosphäre schaffen. Doch beim Verbrennen wird nicht nur Sauerstoff verbraucht und Kohlendioxid an die Raumluft abgegeben. Kerzen können die Quelle für gesundheitsschädliche Substanzen sein wie allergieauslösende Duftstoffe, Nickel, giftiges Blei, Ruß und organische flüchtige Verbindungen (VOC), die beim Verbrennen in die Raumluft gelangen. Mangelhafte Paraffinkerzen können zudem Schwefelverbindungen enthalten, die durch das Verbrennen als Schwefeldioxid in die Raumluft gelangen und bei empfindlichen Personen zu allergieähnlichen Reaktionen führen können, so warnte der BUND im Jahr 2019. Um das Rußen der Kerzen zu verhindern, ist es wichtig, die Kerzen nicht in die Zugluft zu stellen und den Docht regelmäßig zu kürzen. Wer auf das Kerzenabbrennen nicht verzichten möchte, sollte auf jeden Fall regelmäßig Lüften, um die verbrauchte, sauerstoffarme und belastete Raumluft auszutauschen.

Duftstoffunverträglichkeit

Die leichtflüchtigen Duftstoffe stellen zunehmend ein Problem für Patienten mit hyperreagiblen Atemwegen und sehr empfindliche Personen dar. Hier können Duftstoffe zu systemischen Beschwerden führen wie Herzrasen, Kreislaufstörungen, Atembeschwerden, Kopfschmerzen, und weiteren gesundheitlichen Beschwerden, zu Hustenreiz bis hin zu Asthmaanfällen. Auch verschwinden die Beschwerden nicht sofort nach Verlassen der bedufteten Räume oder nach Entfernen der Duftquelle, sondern können über Stunden und Tage nachwirken. Ob es sich bei den Auslösern dieser Beschwerden immer um bestimmte etwa allergieauslösende Duftstoffe handelt, ist noch nicht eindeutig geklärt, entsprechende Untersuchungen fehlen bislang leider. Auch sind Langzeiteffekte gering dosierter Duftstoffe aus der Luft und Kombinationseffekte der Duftstoffe untereinander sowie mit anderen flüchtigen Chemikalien derzeit unklar. Studien dazu sind bislang Mangelware und dringend notwendig.

Für die betroffenen Duftstoff-sensiblen Personen bedeuten diese Reaktionen eine deutliche Einschränkung ihrer Lebensqualität bis hin zur unfreiwilligen Isolation. Wo viele Verbraucherinnen und Verbraucher die Beduftung als angenehm wahrnehmen, ist für Duftstoffsensible die Teilhabe kaum möglich. Dies kann sich je nach Ausprägung der Beschwerden zu einem „Hürdenlauf“ entwickeln. Schon beim alltäglichen Einkauf kommen wir mit zahlreichen Duftstoffen in Kontakt und atmen sie ein: die Nachbarin, die gerade das Haus verlassen hat und im Flur eine bleibende intensive Duftwolke hinterlässt, der Paketbote, der heute mit seinem Rasierwasser nicht gespart hat, ein Besuch der Bank, Postfiliale oder Bäckerei, wo mit Duftstoffeinsatz das Wohlgefühl der Kunden gesteigert werden soll – und so weiter. Auch beim Arzt oder Zahnarzt ist man vor Beduftung nicht mehr sicher, mit einer Duftsäule im Warteraum sollen die Patienten entspannt und angstfrei die Wartezeit genießen. Und auch der Arbeitsplatz ist kaum frei von Beduftung, statt steigender Motivation mit Lavendelduft werden die Kopfschmerzen stärker. Dabei bringt ein offenes Gespräch unter Kolleg*innen leider nicht so oft das erwünschte Verständnis und mehr Rücksicht.

Diagnostik und (Be-)Handlung der Duftstoffunverträglichkeit

Die Diagnostik der Beschwerdeauslöser ist nicht einfach. Oft basiert sie auf der Analyse und Behandlung der gesundheitlichen Beschwerden. Es bedarf eines erfahrenen Arztes, am besten mit der Zusatzqualifikation Umweltmedizin, um den Ursachen für die unterschiedlichen Symptome auf den Grund zu gehen. Nicht selten werden die Beschwerden als Multiple Chemische Sensitivität /MCS diagnostiziert, was für die Betroffenen schwer akzeptabel ist, zumal dieses Krankheitsbild oft mit psychischen Erkrankungen in Zusammenhang gebracht wird.

Doch eine Duftstoffunverträglichkeit ist nicht zwingend eine MCS-Erkrankung. Für die Betroffenen wird diese Erkrankung zur Belastung auch durch das Unverständnis des Umfeldes, der Freunde oder Arbeitskolleg*innen. Wer über gesundheitliche Probleme auf Duftstoffe berichtet, wird schnell zum Übersensiblen oder Stimmungskiller abgestempelt, eine sehr schwierige Situation für die Betroffenen, die auf mehr Rücksichtnahme angewiesen sind.

Behandlung

Eine medizinische Behandlung dieser komplexen Symptomatik ist schwierig. In der Regel werden akute Beschwerden der Atemwege mit Asthmapräparaten oder entzündungshemmenden Medikamenten behandelt. Die effektivste Behandlungsmethode bei Duftstoffunverträglichkeit ist das Meiden der Beschwerdeauslöser, was im Alltag nur schwer realisierbar ist. Im eigenen Wohnumfeld können Betroffene auf eine Beduftung der Räume und Alltagsgegenstände durchaus verzichten – ein Sortiment von Duftstoff-freien Kosmetika, Putz- und Waschmitteln ist hier hilfreich (eine Liste der Duftstoff-freien Produkte ist beim DAAB erhältlich). Am Arbeitsplatz, beim Konzert- oder Kinobesuch, bei Terminen in Arztpraxen, Behörden, beim Einkauf oder bei Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln ist die Situation anders und wird für die Betroffenen zum Problem. Hier kann man sich der Allgegenwart der Duftstoffe kaum entziehen, daher ist eine umfassende Aufklärung der Öffentlichkeit und eine stärkere Rücksichtnahme auf empfindliche Personen dringend notwendig.

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