Deutscher Allergie- und Asthmabund e.V.

Hyposensibilisierung

Die Hyposensibilisierung ist bisher die einzige ursächliche Behandlungsmöglichkeit einer Allergie. Hierbei wird dem Allergiker das für ihn relevante Allergen in steigender Dosis zugeführt, um den Körper so daran zu gewöhnen.


Wofür wir uns einsetzen und welche Angebote wir für unsere Mitglieder haben, lesen Sie am Ende des Textes.


Eine Hyposensibilisierung ist angezeigt,

  • wenn es nicht oder nur schwer möglich ist, "sein" Allergen zu meiden,
  • der Allergieauslöser eindeutig diagnostiziert ist, ein geeignetes Therapiepräparat zur Verfügung steht sowie
  • keine Kontrainidkation gegen die Behandlung sprechen.

Als Beispiel für gängige Therapieallergene können Insekten-, Pollen- von Frühblühern und Gräsern- und Hausstaubmilben geführt werden. Für inhalative Allergieauslöser wie Kräuterpollen, felltragende Tiere wie Katze oder Schimmelpilze liegen bisher einzelne Studien vor. Die Hyposensibilisierung soll, neben der Linderung der Symptome und der Senkung des Medikamentenverbrauchs, bei frühzeitiger Anwendung auch das Risiko für die Entstehung eines allergischen Asthma bronchiale senken. In bis zu 40 Prozent der nicht sorgfältig behandelten Heuschnupfenfälle kann ein "Etagenwechsel" zum allergischen Asthma bronchiale erfolgen.

Allergie-Irrtum: Eine Hyposensibilisierung ist im Alter nicht mehr möglich.

Eine Altersbeschränkung auf Patienten unter 50 Jahren wird heute nicht mehr empfohlen.

Durchführung

Die Dosierungen und Zeitabstände in denen Präparate zur Hyposensibilisierung gegeben werden, können je nach Therapieschema unterschiedlich sein. Meist wird mit einer niedrigen Allergendosis begonnen, die während der Behandlung erhöht wird. Ist eine Erhaltungsdosis erreicht, wird diese dann regelmäßig verabreicht.

Hyposensibilisierung

Klassische Form der Hyposensibilisierung

In der Aufdosierungsphase werden wöchentlich Spritzen mit steigender Allergenkonzentration verabreicht. Wenn nach 16 Wochen die Erhaltungsdosis erreicht ist, erhält der Patient monatlich eine Spritze dieser Dosis. Die Therapie wird in der Regel drei Jahre lang fortgesetzt. Bei saisonalen Allergien kann die Erhaltungsdosis während der Zeit der Allergenbelastung reduziert oder die Therapie ganz ausgesetzt werden.

Kurzzeit-Hyposensibilisierung

Die Kurzzeit-Hyposensibilisierung ist eine Abwandlung der klassischen Form. Bei dieser Form wird in der Einleitungsphase schneller aufdosiert, so dass die Erhaltungsdosis in kürzerer Zeit erreicht wird. Danach erfolgt entweder eine monatliche Spritze oder die Behandlung wird erst nach der Pollensaison fortgesetzt. Die Gesamt-Therapiedauer ist mit der klassischen Form identisch.

Rush- (Schnell-/Stoß-)/ Ultra-Rush-Hyposensibilisierung

Durch eine rasche Dosis-Steigerung soll eine schnelle Gewöhnung erreicht werden (mehrere Spritzen täglich, stationärer Aufenthalt). Anschließend wird die Therapie mit monatlichen Spritzen über mindestens drei Jahre fortgeführt. Das Verfahren wird aufgrund der schnell erreichten Toleranz gerne bei Insektengiftallergikern angewendet.

Sublinguale Hyposensibilisierung

Das Allergen wird hier nicht durch Spritzen, sondern in Tropfen - oder auch in Tablettenform (bei Gräserpollenallergien) - verabreicht. Dabei wird das Allergenpräparat einige Minuten im Mund, unter der Zunge, behalten und danach geschluckt. In der Regel nimmt der Patient das Präparat selbst zu Hause ein. Die Tablettenimmuntherapie steht momentan nur für Gräserallergiker zur Verfügung und ist für Erwachsene und Kinder ab fünf Jahren zugelassen.

Risiken und Nebenwirkungen

Vor allem während der Einleitungsphase können allergische Reaktionen auftreten. So kann es bei der Injektionsbehandlung zu Juckreiz und Schwellung an der Einstichstelle kommen. Durch Vermeidung von bestimmten Risikofaktoren und Nachbeobachtung des Patienten kann das Risiko solcher Nebenwirkungen sehr gering gehalten werden.

Unsere Tipps

Informieren Sie den Arzt bei allergischen Beschwerden, zwischenzeitlichen Erkrankungen, Impfungen und veränderter Medikamenteneinnahme.

Vermeiden Sie am Tag der Injektion oder der Einnahme der Tropfen/Tabletten Sport und andere körperliche Anstrengungen und Hitzebelastungen wie Sauna oder heiße Bäder.

Eine Kontrolle der Atemfunktion bei Asthma bronchiale mittels des Peak-Flow-Meters wird dringend empfohlen.

Während der Hyposensibilisierung können antiallergische Medikamente eingenommen werden, da die verwendeten Präparate (z.B. Antihistaminika, Glukokortikoide) den Behandlungserfolg nicht beeinflussen.

Die Einnahme von Tropfen / Tabletten sollte nicht unmittelbar nach dem Zähneputzen erfolgen, da durch mechanisch gereizte Regionen der Mundschleimhaut unter Umständen stärkere Nebenwirkungen wie Juckreiz auftretetn können.

Sollten Sie weitere Fragen haben, dann wenden Sie sich an den Deutschen Allergie- und Asthmabund e.V. Dort erhalten Sie als Mitglied eine detaillierte Beratung durch das DAAB-Wissenschaftsteam.



Zusätzlich bieten wir Ihnen weitere schriftliche Informationen an:

  • Ratgeber "Allergien"
  • Ratgeber "Hyposensibiliserung"
  • Infoblatt Pollenallergie / Heuschnupfen

Das gibt es nur Mitglieder

  • Infoblatt Hyposensibilisierung - Häufige Fragen und Antworten.
  • Wie finde ich den richtigen Arzt für eine Hyposensibilisierung?
  • Was sollte bei einer Hyposensibilisierung beachtet werden?
  • Was ist "molekulare Allergiediagnostik"?

Dafür setzen wir uns ein

  • Bessere allergologische Versorgung,
  • bessere allergologische Ausbildung,
  • Zugang und Erstattung ursächlicher Allergiebehandlung,
  • Zugang zur molekularen Allergiediagnostik, wenn zur Abschätzung des Therapieerfolges einer Hyposensibilisierung genauer geklärt werden muss, auf welche Allergene eines Auslösers ein Patient reagiert und dies mit den herkömmlichen Testmöglichkeiten nicht ermittelt werden kann.

Eine Spende unterstützt unsere unabhängige Arbeit.