Deutscher Allergie- und Asthmabund e.V.

Lebensmittelallergie-Diagnose

Die Diagnose einer Lebensmittel-Allergie erfordert vo Arzt und Patient viel Geduld und fast detektivischen Spürsinn. Die oftmals durchgeführten Haut- und Bluttestungen reichen in der Regel nicht aus, da sie nur eine Sensibilisierung anzeigen, nicht aber ob die Ereignisse klinich relevant sind. 


Wofür wir uns einsetzen und welche Angebote wir für unsere Mitglieder haben, lesen Sie am Ende des Textes.


Eine umfassende und sinnvolle Diagnose besteht aus folgenden Schritten.

  1. Anamnese,
  2. Hauttest,
  3. In-Vitro-Testverfahren (Blutuntersuchung),
  4. klinische Diagnostik: Diät und Provokationstest.

Schon das Eingangsgespräch (Anamnese), in dem der Arzt oder die Ernährungsfachkraft abfragt, wann, wo und wie die Symptome erstmalig auftraten, kann wichtige Hinweise zur Erkennung einer Allergie geben. Eine Dokumentation der verzehrten Lebensmittel und der auftretenden Beschwerden in Form eines Ernährungs-Symptom-Tagebuchs hat sich als hilfreich erwiesen. Dieses sollte aufgrund der vielen verschiedenen Krankheitseinflüsse besonders ausführlich sein. Neben den verzehrten Lebens- und Genussmitteln müssen besondere Ereignisse wie Geburtstagsfeiern, Klassenarbeit, Wettereinflüsse, Infekte, Pollenflug und Sport sowie die Einnahme von Medikamenten erfasst werden. Aufbauend schließen sich nach der Anamnese gezielt Haut- und Bluttestungen (IgE-Antikörper) an.

Diät – ja oder nein?

Nach Abschluss der Anamnese und der Haut- und Bluttestungen wird der Arzt eine diagnostische Diät empfehlen. Diese Diät wird nach den Ergebnissen der vorangegangenen Testungen ausgewählt und individuell von einer allergologisch geschulten Ernährungsfachkraft zusammengestellt. Eine Ernährungsumstellung nur anhand von ausgehändigten Listen ist nicht empfehlenswert, da die individuelle Beratung im Vordergrund stehhen muss, um Diätfehler zu vermeiden. Bei einem begründeten Verdacht auf einzelne Auslöser wird eine Eliminationsdiät durchgeführt. Dies bedeutet, dass für einen bestimmten Zeitraum die verdächtigen Lebensmittel konsequent aus der Ernährung des Patienten gestrichen werden. Liegt der Verdacht einer pollenassoziierten Lebensmittel-Allergie (Kreuzallergie) vor, kann es ausreichen, dem Patienten eine pollenassoziierte Eliminationsdiät zu verordnen.

Alle diese Diäten müssen von einer allergologisch geschulten Ernährungsfachkraft begleitet und individuell auf den Patienten abgestimmt werden. Die diagnostischen Diäten können für den Patienten sehr einschränkend sein und sollten nie länger als zwei bis vier Wochen durchgeführt werden. Sie müssen von einer Ernährungsfachkraft mit Rezepten, Informationen und Einkaufstipps begleitet werden.

Tritt unter einer diagnostischen Diät nach spätestens vier Wochen keine Besserung auf, ist der Zusammenhang  zwischen Lebensmitteln und den Beschwerden unwahrscheinlich. Ergibt auch eine Kontrolle der diätetischen Maßnahmen keinen weiteren Hinweis, ist die Diagnose hier abgeschlossen und eine weitere Diät nicht erforderlich!

Verbessern sich die Symptome unter Ernährungsumstellung, muss der Arzt entscheiden, ob sich offene oder doppel-blinde Provokationstestungen anschließen. Bei der Provokationstestung wird das Lebensmittel verabreicht und beobachtet, ob eine allergische Reaktion auftritt. In Einzelfällen bei einem eindeutigen Hinweis aus den vorangegangenen Testungen wird von einer Provokation abgesehen. Provokationstestungen werden in ambulanten Praxen oder stationär durchgeführt. Erst nach der Provokation kann mit Sicherheit ein Zusammenhang zwischen der Ernährung und den Beschwerden bestätigt oder ausgeschlossen werden.

Allergie-Irrtum: Ein positiver Haut- oder Bluttest reicht zur Diagnose einer Lebensmittel-Allergie aus!

Sowohl Haut- wie auch Bluttests geben immer nur einen Hinweis auf einen möglichen Auslöser und sind keine alleinigen Diagnoseparameter. Sie rechtfertigen keine langfristige Diät und sind nur als Mosaikstein zu sehen.

Sollten Sie weitere Fragen haben, dann wenden Sie sich an den Deutschen Allergie- und Asthmabund e.V. Dort erhalten Sie als Mitglied eine detaillierte Beratung durch das DAAB-Wissenschaftsteam.



Darüberhinaus bieten wir Ihnen weitere schriftliche Informationen an:

  • Bestellkarte Restaurantkarte
  • Restaurantkarten für die häufigsten Allergieauslöser
  • Ernährungs-Symptom-Tagebuch

Das gibt es zusätzlich nur für Mitglieder

  • Infoblatt Lebensmittelallergie
  • Ausführliche Steckbriefe zu einzelnen Lebensmittel-Allergien mit konkreten Ernährungsempfehlungen
  • Infoblatt Lebensmittel-Kennzeichnung
  • Infoblatt Pseudoallergien
  • Reisen mit Allergien
  • Klinikliste/Kompetenzzentren zum Thema Lebensmittel-Allergien
  • Übersicht über Caterer, die allergenarme Speisen ausliefern
  • Ergebnisse der Befragung von Fluggesellschaften zum Umgang mit Allergikern
  • DAAB-Rezeptsammlung
  • Infoblatt Pseudoallergien

Dafür setzen wir uns ein

  • Bessere Allergie-Diagnostik von Lebensmittelallergien: Zugang für Patienten zu leitliniengerechter Diagnostik, d.h. Anamnese, Blut- und Hauttests und ggf. orale Provokationstestung (auch stationär).
  • Kostenübernahme einer qualifizierten Ernährungstherapie der Krankenkassen für Patienten mit einer Lebensmittel-Unverträglichkeit.
  • Ein für den Verbraucher verständliches und eindeutiges Zutatenverzeichnis:
    • einen Allergiehinweis auf verpackten Lebensmitteln außerhalb der Zutatenliste, in dem die allergieauslösenden Zutaten in "einfacher Sprache" aufgeführt sind. Beispiel: Enthält Milch, Weizen.
    • Einzelverpackungen aus Großgebinden sollten (bei ausreichender Verpackungsgröße) den Hinweis auf das Vorkommen von Hauptallergenen und möglichen unbeabsichtigten Verunreinigungen erhalten.
    • Differenzierung der Gruppen "Glutenhaltiges Getreide" und "Schalenfrüchte" bei Hinweisen auf unbeabsichtigte Kontamination: Statt "Kann Schalenfrüchte enthalten" besser formuliert "Kann Haselnüsse, Mandeln (etc.) enthalten". Statt "Kann glutenhaltiges Getreide enthalten" besser formuliert "Kann Weizen, Dinkel (etc.) enthalten".
  • Einheitliche Kennzeichnung durch einen vorgegebenen Wortlaut für das unbeabsichtigte Vormommen von Allergieauslösern (Spurenkennzeichnung) - einheitlich in Bezug auf Wortlaut und Grundlagen der Kennzeichnung.
  • Festlegung einer einheitlichen Grundlage zur Kennzeichnung von unbeabsichtigt vorkommenden "Spuren" anhand von medizinisch gesicherten Schwellenwerten.
  • Schriftliche Information zu allergenen Zutaten, die vollständig, tagesaktuell und für Kunden einsehbar ist.
  • Verpflichtende Allergenschulung für alle Mitarbeiter in Herstellung und Service bei unverpackt angebotenen Lebensmitteln (Lose Ware), z.B. angeschlossen an die Hygieneschulung.
  • Sichere Außer-Haus Verpflegung für Lebensmittelallergiker in Kitas, Schulen, Kliniken etc.: Verpflichtende Allergieschulungen für lebensmittelverarbeitende Berufe wie Metzger, Bäcker etc.
  • Aufnahme des Themas Lebensmittelallergien in die Ausbildung von Köchen, Metzgern, Bäckern sowie in allen Bereichen des lebensmittelverarbeitenden Industrie und Gastronomie.
  • Keine Ausgrenzung von Kindern mit Asthma, Allergien, und Neurodermitis in Kita und Schule.