Allergische Reaktionen sind auf dem Vormarsch. Laut Zahlen des Umweltbundesamtes (UBA) reagieren über eine Million Menschen in Deutschland auf Duftstoffe und Duftstoff-Mischungen allergisch. Die gesundheitlichen Beschwerden auf Duftstoffe in der Raumluft reichen von Unverträglichkeitsreaktionen mit Kopfschmerzen oder Unwohlsein bis hin zu allergischen Reaktionen mit Asthmaanfällen.

Eine erworbene Sensibilisierung kann medizinisch nicht geheilt werden. Um Beschwerden zu vermeiden, muss der Auslöser für die Allergie konsequent gemieden werden. Diesem Problem steht ein breites Anwendungsspektrum von Duftstoffen in Alltagsprodukten gegenüber. Selbstverständlich sind sie in Kosmetika und Waschmitteln zu finden aber auch in der Luft, wo sie aus „Luftverbesserern“ wie Duftbäumchen, Sprays, Duftlampen und professionellen Raumbeduftungssystemen gelangen.
Gezielte Anwendung finden Duftstoffe kommerziell im „Duft-Marketing“. Hier werden Duftstoffe, die sich kauffördernd auswirken sollen, beispielsweise über Klimaanlagen oder Duftstoffsäulen, in Kaufhäusern verströmt. Doch die hier eingesetzten Duftstoffe können Unverträglichkeitsreaktionen bei sensiblen Menschen und Allergikern auslösen. Ein Meiden der Duftstoffe, die kommerziell zur Raumbeduftung sowie für Werbe- und Marketingzwecke eingesetzt werden, ist in öffentlich zugänglichen Banken, Verwaltungen, Büros, Kinos, Kaufhäusern oder Bildungsstätten für Verbraucherinnen und Verbraucher oft nicht möglich.

Große Bandbreite an Reaktionen
Die Brandbreite der Reaktionen auf Duftstoffe ist vielfältig: von Atembeschwerden, Kopfschmerzen, tränenden bzw. brennenden Augen, Hautirritationen, Ekzemen, Taubheitsgefühlen, Übelkeit, Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten bis hin zu Asthmaanfällen, Krämpfen oder Bewusstlosigkeit.
Im Februar 2004 wurde die UBA-Studie „Untersuchungen zur Verbreitung umweltbedingter Kontaktallergien mit Schwerpunkt im privaten Bereich“ (Umweltbundesamt) veröffentlicht. Hier wurden u.a. die Kontaktallergien durch Duftstoffe untersucht. Die Studienergebnisse zeigen, dass zwischen ein und drei Prozent der Bevölkerung gegen Substanzen des Duftstoff-Mix sensibilisiert sind, Als wichtige Konsequenz für den öffentlichen Gesundheitsschutz ergibt sich, dass der Einsatz der besonders stark allergiesierender Stoffe wie Eichenmoos und Isoeugenol deutlich zu begrenzen ist, wenn sie nicht gar aus dem Markt genommen werden sollten.
Auch international findet die Problematik der Raumbeduftung Beachtung. Mehrere wissenschaftliche Studien aus USA legen dar, dass bereits ein Drittel der US-Bevölkerung unter Chemikaliensensibilität gegenüber Duftstoffen leidet. Französische Studien warnen, dass Parfums neben respiratorischen und dermalen, zusätzlich auch neurologische Erkrankungen verursachen können.
In einem Hintergrundpapier zu Duftstoffen (April 2006) ziehen die Experten des Umweltbundesmtes das Fazit, dass die Risiken von Duftstoffen bisher nicht ausreichend berücksichtigt werden. Durch den wiederholten und verbreiteten Einsatz der Duftstoffe sind langfristige negative Auswirkungen auf die Gesundheit und auch auf die Umwelt möglich.
Viele der eingesetzten Duftstoffe sind persistent und reichern sich in der Umwelt und im Menschen ein. Aus Vorsorgegründen empfiehlt das Umweltbundesamt, den Einsatz von Raumbeduftung in öffentlichen Räumen vollständig zu unterlassen.
Im Rahmen der 4. Ministerkonferenz in Budapest 2004 haben Gesundheits- und Umweltminister der Europäischen Region der WHO einen Aktionsplan beschlossen. Ein wichtiges Ziel dieses Aktionsplans ist die Verbesserung der Luftqualität in Innenräumen und die Verringerung der Belastung der Umwelt durch gefährliche Chemikalien. In der verabschiedeten Budapester Deklaration wurden die Industrie und die zuständigen Behörden der Mitgliedstaaten aufgefordert, sowohl die Verwendung als auch mögliche ungünstige Gesundheitseffekte von Duftstoffen zu evaluieren, auch mit Blick auf eine Verringerung des Einsatzes der allergieauslösenden Duftstoffe.