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Gluten in der Kritik Gibt es eine Weizen/Gluten-Sensitivität?

Weltweit ist das Interesse an der Durchführung einer glutenfreien Kost groß. Viele Menschen versprechen sich einen gesundheitlichen Nutzen oder wollen so ihr Gewicht reduzieren. Die glutenfreie Kost ist seit langem eine Modediät, die nicht selten auf Selbstdiagnose oder paramedizinischen Empfehlungen beruht, und hat in den letzten Jahren noch deutlich an Verbreitung zugenommen. Der vermeintliche Nutzen dieser Ernährungsumstellung ist allerdings nicht nur fraglich, sondern widerspricht den Erkenntnissen neuer Studien, die auch negative Auswirkungen dieser Kostform klar benennen.

Unserer Ansicht nach ist es deshalb dringend notwendig, die vorhandenen Nachteile und Risiken in den Fokus von Therapeuten und Betroffenen zu rücken. Dies gilt vor allem dann, wenn diese Kosteinschränkung ohne Notwendigkeit, das heißt ohne gesicherte Diagnose einer Zöliakie, durchgeführt wird.

Einer Unverträglichkeit verschiedener Getreidesorten kann eine IgE-vermittelte Weizenallergie, eine „weizen-abhängigen anstrengungsinduzierten Anaphylaxie“ (WDEIA) oder einer Zöliakie zu Grunde liegen.Zu allen drei Krankheitsbildern gibt es wissenschaftlich fundierte Untersuchungen, Studien und entsprechende Diagnose- und Therapieempfehlungen.

Für das „Krankheitsbild“ der Weizen-/Glutensensitivität gibt es solche harte Daten bisher nicht. Vielmehr wird viel zu schnell die Empfehlung ausgesprochen, einfach mal Gluten weg zu lassen. Ratsuchende werden mit strikten Verboten entlassen, ohne dass der eigentliche Verursacher der Beschwerden eindeutig identifiziert wurde. Die Ansage „Gluten wegzulassen“ wird empfohlen, ohne dass die Gesamternährungssituation betrachtet wird.

Risiken und Nachteile einer glutenfreien Kost

Die Durchführung einer glutenfreien Kost ohne fachgerechte Diagnose und ernährungstherapeutische Begleitung zeigt viele Risiken, die bei „echten“ Zöliakiebetroffenen seit langem bekannt sind:

  • Das Risiko einer Obstipation (Verstopfung) und einer Vielzahl von Enddarmerkrankungen steigt durch eine glutenfreie Kost. Durch ungünstige Änderung der Ballaststoffqualitäten verändern sich Stuhlvolumen und Stuhlzusammensetzung. Dadurch lassen sich zwar zu Beginn der Kostumstellung bestimmte gastrointestinale Symptome (Diarrhoe und Blähungen) verbessern, nach etwa 3-4 Monaten „kippt“ das Beschwerdebild dann aber und verkehrt sich in das Gegenteil.
  • Erhöhte Gefährdung einer Fettstoffwechselstörung
    Eine glutenfreie Kost ist eng mit einer anderen Nahrungsmittelauswahl und einer anderen Qualität der Ballaststoffe verwoben. Der Anteil an stuhlregulierenden Ballaststoffen ist meist zu gering. Insbesondere die Ballaststoffe haben aber wertvolle Funktionen im Fettstoffwechsel. Normalerweise nehmen sie positiven Einfluss auf den Blutzucker- beziehungsweise den Insulinspiegel im Blut. Erschwerend kann es bei der Diät-Durchführung zu einer ungünstigen Aufnahme der gesättigten Fette und schnell resorbierbaren Zuckern (zum Beispiel durch Spezialprodukte, die oft einen ungünstigen hohen Anteil an Stärke und Zucker haben) kommen.

  • Gefährdung einer bakteriellen Fehlbesiedlung und/oder Dysbiose (Ungleichgewicht der Zusammensetzung der Bakterien im Darm)
    Glutenfreie Lebensmittel werden vor allem aus Grundzutaten wie der Stärke aus Mais, Reis und Kartoffeln hergestellt, die sich im Verdauungstrakt als schnell resorbierbare Kohlenhydrate zeigen. Unter ungünstigen Essmustern kommt es in der Folge zu Stuhlunregelmäßigkeiten bis hin zu einer Verstopfung. Dies in Verbindung mit einer insgesamt ungünstigen Lebensmittelauswahl (eher vorgefertigte Lebensmittel, Halbfertig-, Fertigprodukte) kann die Fehlbesiedlung mit unerwünschten Bakterien im Darm fördern, die schwer zu therapierbare Bauchbeschwerden nach sich zieht.

  • Mehrkosten einer glutenfreien Ernährung
    Die glutenfreie Ernährung verursacht, trotz stark gestiegener Angebotspalette und gesunkener Preise, auch heute noch erhebliche Mehrkosten für die Menschen, die eine glutenfreie Kost (gfK) strikt einhalten. So zeigen Mehrkostenstudien eine vierfach erhöhte Ausgabe bei Durchführung einer gfK für die Gruppe der Getreideprodukte.

  • Schwermetallbelastung
    Es gibt wiederholt aktuelle Hinweise, dass die Durchführung einer gfK zu einer höheren Schwermetallbelastung führt.

Dies sind nur einige Risiken und Nachteile. Einen ausführlichen Artikel und die passende Beratung stellen wir gerne unseren Mitgliedern zur Verfügung.

Haben Sie eine Frage? Nutzen Sie gerne direkt unseren kostenfreien Beratungsservice für Nichtmitglieder. Hier können wir Ihnen erste Basisfragen beantworten und Ihnen erste Hilfestellungen geben.  DAAB-Beratungshotline: 0 21 66 – 64 788 88 / Ihre Anfragen per Email:  info[at]daab[dot]de

Die Lösung!

Der DAAB bietet Ihnen eine individuelle Beratung zum Thema Darmbeschwerden an. Lassen Sie uns zusammen überlegen, was Ihnen helfen kann und in welche Richtung die Untersuchungen gehen sollten. Nutzen Sie die Chance, gesund zu leben ohne eine einschneidende Diät zu machen, die mehr Risiken birgt als Vorteile. Denn bei Menschen mit häufigen oder täglichen gastrointestinalen Beschwerden, bei denen eine Zöliakie ausgeschlossen ist, ist es wesentlich, einen individuellen Ansatz zu wählen und nicht pauschal eine glutenfreie Kost zu verordnen. Dieser Ansatz prüft die vorliegende Diagnostik auf Vollständigkeit und arbeitet die Vorteile einer gemüsebetonten Mischkost ein. Dies schließt nicht aus, dass eine Umstellung der Lebensmittelauwahl mit weniger getreide- und stärkehaltigen Lebensmitteln mehr „Ruhe“ in den Bauch bringt, allerdings funktioniert das ohne unnötige Verbote und teure Spezialprodukte! Nutzen Sie Ihre Chance.

Unser Service für Sie

Der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB) informiert Mitglieder gerne auch im persönlichen Gespräch zum Thema Darmgesunde Ernährung. Für Mitglieder veranstalten wir auch regelmäßige Webinare (Online-Seminare), bei denen Sie Experten Fragen stellen können.

Sonja Lämmel, Dipl.oec. troph. steht Mitgliedern bei Fragen rund um den gesunden Darm gerne zur Verfügung.

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